{"id":291,"date":"2018-08-08T16:49:00","date_gmt":"2018-08-08T14:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=291"},"modified":"2020-01-22T19:20:24","modified_gmt":"2020-01-22T17:20:24","slug":"reformkrimskrams","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=291","title":{"rendered":"Reformkrimskrams"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em>Erschienen am 15.07.1996 in der NZZ unter&nbsp;\u00abNebenbei notiert\u00bb<\/em><\/p>\n<p><em>bl.<\/em> Die Verwaltungsreform beim Kanton tr\u00e4gt Fr\u00fcchte: Dieser Tage ist der Gesch\u00e4ftsbericht des Regierungsrates f\u00fcr das Jahr 1995 erschienen, und darin st\u00f6sst man nun an verschiedenen Stellen auf das K\u00fcrzel <strong>wi<em>f<\/em>!<\/strong> \u2013 in dieser Schreibweise und typographischen Gestaltung, die sich vom \u00fcbrigen Text auff\u00e4llig abhebt. Das Ding findet sich auch auf immer mehr einschl\u00e4gigen kantonalen Drucksachen. &#8211; Wer etwas Neues in Angriff nimmt, braucht ein Leitbild, ein Konzept und eine Abk\u00fcrzung. Was die Verwaltungsreform betrifft, ist man punkto Abk\u00fcrzung gleich doppelt bedient: Die einen reden von NPM, von <strong>wi<em>f<\/em>!<\/strong> die andern. Der zweite Fall ist der schwierigere. Wie schafft man es, Kleingeschriebenes halbfett und teilweise kursiv auszusprechen und auch dem Ausrufzeichen angemessen m\u00fcndlichen Ausdruck zu verleihen? Aus gew\u00f6hnlich unzuverl\u00e4ssiger Quelle vernimmt man, dass die Verwaltung daf\u00fcr spezielle Sprechkurse anbietet, im Rahmen des Reformprogrammes <strong>wi<em>f<\/em>!<\/strong> selbstverst\u00e4ndlich. Die Sache mit den Abk\u00fcrzungen hat den Vorteil, dass Klartext \u00fcberfl\u00fcssig wird. So ist beispielsweise LEP als Kombination von SEP und PAMS f\u00fcr Loras und dessen Einbettung in <strong>wi<em>f<\/em>!<\/strong> in Zusammenhang mit dem neuen KVG f\u00fcr die GD von Bedeutung (Loras steht nicht f\u00fcr Papageien, sondern f\u00fcr \u00ableistungsorientierte Ressourcenallokation im Spitalbereich\u00bb). Aber einmal abgesehen von solch hochspezialisierten Bereichen: Man stelle sich vor, die Reformer m\u00fcssten stets die Begriffe New Public Management (19 Buchstaben und zwei Leerr\u00e4ume) oder gar \u00abwirkungsorientierte Verwaltungsf\u00fchrung\u00bb (37 Buchstaben, ein Leerraum und kein Ausrufzeichen) in voller L\u00e4nge verwenden! Wenn man sich \u00fcberlegt, dass New Public Management eigentlich nicht viel aussagt (aber das wenigstens auf Englisch), dann versteht man auch, dass NPM irgendwie interessanter wirkt, weil das gemeine Volk noch weniger weiss, was es davon halten soll. Indessen ist NPM im Vergleich zu <strong>wi<em>f<\/em>!<\/strong> schrecklich phantasielos. Bei wirkungsorientiertem Vorgehen wird man doch nicht einfach die Anfangsbuchstaben als K\u00fcrzel verwenden. H\u00e4tte man \u00abwirkungsorientierte Verwaltungsf\u00fchrung\u00bb auf so banale Art abgek\u00fcrzt, etwa mit WV, so w\u00e4re die Reform wohl gleich im Eimer gewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen am 15.07.1996 in der NZZ unter&nbsp;\u00abNebenbei notiert\u00bb bl. Die Verwaltungsreform beim Kanton tr\u00e4gt Fr\u00fcchte: Dieser Tage ist der Gesch\u00e4ftsbericht des Regierungsrates f\u00fcr das Jahr 1995 erschienen, und darin st\u00f6sst man nun an verschiedenen Stellen auf das K\u00fcrzel wif! \u2013 in dieser Schreibweise und typographischen Gestaltung, die sich vom \u00fcbrigen Text auff\u00e4llig abhebt. 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