{"id":561,"date":"2018-12-30T01:15:22","date_gmt":"2018-12-29T23:15:22","guid":{"rendered":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=561"},"modified":"2021-03-18T01:49:15","modified_gmt":"2021-03-17T23:49:15","slug":"endlich-mehr-digitale-werbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=561","title":{"rendered":"Endlich mehr digitale Werbung"},"content":{"rendered":"<p>In der Stadt Z\u00fcrich wird das Publikum demn\u00e4chst im Zeichen von Smart City durch mehr Werbung auf dem \u00f6ffentlichen Grund zus\u00e4tzlich erleuchtet werden. Der Stadtrat hat dazu die Konzession f\u00fcr 30 digitale Werbeanlagen erteilt. Diese treten als leuchtende Werbefl\u00e4chen in Erscheinung, und dass die Technik dahinter digital ist, spielt f\u00fcr die Wirkung auf das Stadtbild eigentlich keine Rolle.<\/p>\n<p>Eine der ersten digitalen Werbeanlagen in der Stadt Z\u00fcrich fand nicht ungeteilten Beifall. Gegen den Eingriff in das Stadt- und Strassenbild wurden etwa im Gemeinderat Bedenken ge\u00e4ussert. Diese Art der Reklame schaffe ein weiteres Element der Beunruhigung, der Nervosit\u00e4t und der Ablenkung f\u00fcr unsere Strassenben\u00fctzer, r\u00fcgte ein Interpellant, und er meinte, es sollten keine weiteren derartigen Reklamen bewilligt werden, da sie das n\u00e4chtliche Bild unserer Stadt im ung\u00fcnstigen Sinne ver\u00e4nderten, und \u00fcberhaupt bestehe in Z\u00fcrich kein Bed\u00fcrfnis daf\u00fcr. Zur Klarstellung: Dieser Vorstoss wurde 1956 eingereicht, und er richtete sich gegen die neue Leuchtwanderschrift an der Dachkante des ehemaligen Hotels Habis Royal am Bahnhofplatz. Von einer digitalen Werbeanlage war damals allerdings nicht die Rede, obwohl da durchaus schon digitale Technik eingesetzt wurde. Doch nicht deshalb sprach der Interpellant im Gemeinderat von einem Schandfleck, sondern weil er es nicht auszuhalten vermochte: \u00abLesen Sie einige Zeit diese Leuchtwanderschrift, und Sie sind benommen!\u00bb Trotz seiner Benommenheit liess er sich aber bes\u00e4nftigen durch die Antwort des Stadtrates, dass nach der Ablehnung einer Leuchtwanderschrift am Bellevue nun hier eine Bewilligung erteilt worden sei, da am Bahnhofplatz keinerlei kulturhistorische oder st\u00e4dtebauliche Nachteile zu erwarten seien; im \u00fcbrigen sei dies als Versuch zu betrachten, der vorl\u00e4ufig nicht wiederholt werden solle. Der Versuch dauerte drei Jahrzehnte, bis ihm der Abbruch des Habis Royal ein Ende setzte. W\u00e4hrend dieser Zeit flimmerten jeweils vom Eindunkeln bis Mitternacht \u00fcber das 15 Meter lange und 1 Meter hohe Panel mit 840 Gl\u00fchbirnen K\u00fcrzestnachrichten, Sportmeldungen, Werbung und unterhaltende Spr\u00fcche, wie die NZZ berichtete. Gelegentlich habe der Betrieb auch unterbrochen werden m\u00fcssen, wenn die Leser dem Verkehr den Weg versperrten, so etwa am Abend des 22. November 1963, als die Schreckensnachricht vom Mord an John F. Kennedy vom Habis-Royal-Haus abzulesen war, noch bevor Radio Berom\u00fcnster sie verbreitete, und die fassungslosen Leute sich auf dem Bahnhofplatz zusammenscharten.<\/p>\n<p>Nun aber, mehr als dreissig Jahre nach dem Ende der Leuchtwanderschrift, soll es in Z\u00fcrich richtig losgehen mit digitaler Werbung auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen \u2013 nicht auf D\u00e4chern, sondern bodenst\u00e4ndig und jedenfalls dort, wo mit der Aufmerksamkeit von m\u00f6glichst vielen Fussg\u00e4ngern gerechnet werden darf. Bisher ist von einer politischen Gegnerschaft nichts bekannt geworden; schliesslich soll das der Stadt ja Einnahmen von 4,5 Millionen Franken im Jahr verschaffen und ungeachtet des Stromverbrauchs mit der 2000-Watt-Gesellschaft kompatibel sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Stadt Z\u00fcrich wird das Publikum demn\u00e4chst im Zeichen von Smart City durch mehr Werbung auf dem \u00f6ffentlichen Grund zus\u00e4tzlich erleuchtet werden. Der Stadtrat hat dazu die Konzession f\u00fcr 30 digitale Werbeanlagen erteilt. 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