{"id":577,"date":"2019-04-23T18:19:53","date_gmt":"2019-04-23T16:19:53","guid":{"rendered":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=577"},"modified":"2020-01-22T18:53:43","modified_gmt":"2020-01-22T16:53:43","slug":"kunst-im-hauptbahnhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=577","title":{"rendered":"Kunst im Hauptbahnhof"},"content":{"rendered":"<p>Bei Tageslicht wirkt die Sache immer etwas verwahrlost: Die Installation vor der grossen Fensterfront in der Halle des Z\u00fcrcher Hauptbahnhofes mit der schwach leuchtenden Spirale, einigen herunterh\u00e4ngenden k\u00fcnstlichen V\u00f6geln und einem Hirsch, der zu entfliehen sucht, was man verstehen kann. Es ist Kunst. Doch es lief von Anfang an etwas schief. Vorgesehen gewesen w\u00e4re eigentlich eine Best\u00fcckung&nbsp; der rund 300 Quadratmeter Fensterfl\u00e4che mit ausgestopften V\u00f6geln verschiedener Gr\u00f6sse &#8211; angeblich von M\u00f6we bis Schwan, 15 an der Zahl. So sah es der Vorschlag des K\u00fcnstlers Mario Merz vor, der eine Wettbewerbsjury \u00fcberzeugt hatte. Aber bei der Realisierung wurde aus praktischen Gr\u00fcnden der Gedanke an ausgestopftes Gefl\u00fcgel fallen gelassen, und es blieben f\u00fcnf Kunststoffv\u00f6gel, die sich nun zusammen mit dem Hirsch, der v\u00f6llig unerwartet hinzukam, mit der leuchtenden Spirale arrangieren m\u00fcssen. Man kann dieses Kunstwerk nicht richtig w\u00fcrdigen, wenn man nicht auf die leuchtenden Zahlen auf den R\u00fccken der Tiere eingeht: Sie entstammen der Reihe der Fiboncci-Zahlen, auf die Merz versessen war. Der Hirsch mit der Nummer 55 w\u00e4re eigentlich das zehnte Element dieser unendlichen Reihe, aber mit nur f\u00fcnf V\u00f6geln davor kommt man mathematisch etwas in Schwierigkeiten. Immerhin finden sich alle zehn Fibonacci-Zahlen von 1 bis 55 vollst\u00e4ndig auf einer Quersprosse des Fensters. F\u00fcr Genaueres zu Fibonacci sei auf Google verwiesen. Hier nur so viel: Es soll einen Zusammenhang zwischen der Vermehrung der Hasen und der Fibonacci-Reihe geben, sofern sich die Hoppeltiere bei ihren Fruchtbarkeitsritualen an die einschl\u00e4gigen mathematischen Gesetzm\u00e4ssigkeiten halten. Aber mathematisch korrekt findet sich die Fibonacci-Reihe in der Zahl der Vorfahren einer jeden m\u00e4nnlichen Biene, auch Drohne genannt. Und so fragt man sich, weshalb das Fenster in der Bahnhofhalle nicht voller Hasen oder Drohnen h\u00e4ngt. Das Werk wurde 1992 installiert; die SBB wurden vertraglich verpflichtet, es 20 Jahre unangetastet bestehen zu lassen \u2013 womit wir zur guten Nachricht k\u00e4men, dass es jetzt eigentlich wieder entfernt werden k\u00f6nnte. Sch\u00f6n w\u00e4re, wenn an seiner Stelle wieder so etwas Begl\u00fcckendes prangen w\u00fcrde wie seinerzeit die animierte Leuchtreklame f\u00fcr die bekannten feinen Schokoladen vom Z\u00fcrichsee.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Tageslicht wirkt die Sache immer etwas verwahrlost: Die Installation vor der grossen Fensterfront in der Halle des Z\u00fcrcher Hauptbahnhofes mit der schwach leuchtenden Spirale, einigen herunterh\u00e4ngenden k\u00fcnstlichen V\u00f6geln und einem Hirsch, der zu entfliehen sucht, was man verstehen kann. Es ist Kunst. Doch es lief von Anfang an etwas schief. 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