{"id":697,"date":"2019-12-20T19:47:56","date_gmt":"2019-12-20T17:47:56","guid":{"rendered":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=697"},"modified":"2021-03-17T02:28:18","modified_gmt":"2021-03-17T00:28:18","slug":"was-kuemmern-uns-zukunft-und-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=697","title":{"rendered":"Was k\u00fcmmern uns Zukunft und Vergangenheit?"},"content":{"rendered":"<p>Um die Zukunft ist es schlecht bestellt; sie verschwindet langsam aber sicher. Nein, das hat nichts mit dem Klimawandel zu tun, der noch eine Zukunft vor sich hat und geradezu auf sie angewiesen ist, weil wir ihn sonst einfach vergessen k\u00f6nnten. Gemeint ist hier die Zukunft im Sinne des sprachlichen Futurums. Gelegentlich erinnern sich Schreibende noch daran, dass es so etwas gibt, aber als unbedingt n\u00f6tig gilt es offensichtlich nicht mehr. Anders ist das mit der Vergangenheit, die wir hinter uns haben, zu der jedoch noch viel zu sagen ist. Daf\u00fcr gibt es im Deutschen als Vergangenheitsformen das Perfekt, genauer gesagt das Pr\u00e4sensperfekt, das Pr\u00e4teritum (auch Imperfekt genannt) und das Pr\u00e4teritumperfekt, \u00e4lteren Semestern als Plusquamperfekt bekannt. Mehr hat Duden gegenw\u00e4rtig nicht zu bieten. Zum Gl\u00fcck ist das alles geschlechtsneutral, wenigstens vorl\u00e4ufig noch. Und wie wendet man diese Zeitformen an? Zur Beantwortung dieser Frage muss man sich gem\u00e4ss Duden-Grammatik klar werden \u00fcber die Art des Vergangenheitsbezugs und das Verh\u00e4ltnis des Orientierungszeitpunktes zum Sprecher-Jetzt. Das dauert beim Schreiben aber zu lang. Irgend jemand hat darum einmal die Faustregel eingef\u00fchrt, dass der erste Satz einer Zeitungsmeldung im Perfekt stehen m\u00fcsse. Dann geht es im Pr\u00e4teritum weiter, weil da die Umstandskr\u00e4merei mit Hilfsverben und Partizipien entf\u00e4llt. Eine Faustregel heisst so, weil sie manchmal wie die Faust aufs Auge passt. Besser als mit der Faust loszudreschen w\u00e4re es, das \u00dcbel an der Wurzel zu packen. Den Weg dazu gewiesen hat vor bald hundert Jahren der amerikanische Journalist und Schriftsteller Damon Runyon (1880-1946), der in seinen Kurzgeschichten auf die Vergangenheitsform verzichtete. Er legte sie einem Erz\u00e4hler in den Mund, der einen kunstvollen und am\u00fcsanten Broadway-Gaunerjargon spricht und sich v\u00f6llig unbek\u00fcmmert um Orientierungszeitpunkte in seinem Sprecher-Jetzt bewegt. Das funktioniert in seinem amerikanischen Englisch, das als Runyonese Bekanntheit erlangte. K\u00f6nnte es nicht auch f\u00fcr die deutsche Sprache taugen? Da sei Vorsicht geboten: Nicht jeder, der die Vergangenheitsformen nicht beherrscht, wird dadurch zu einem begnadeten Erz\u00e4hler wie Damon Runyon. Den Regeln der deutschen Sprache die geb\u00fchrende Aufmerksamkeit zu schenken w\u00e4re manchmal doch nicht so schlecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Zukunft ist es schlecht bestellt; sie verschwindet langsam aber sicher. Nein, das hat nichts mit dem Klimawandel zu tun, der noch eine Zukunft vor sich hat und geradezu auf sie angewiesen ist, weil wir ihn sonst einfach vergessen k\u00f6nnten. Gemeint ist hier die Zukunft im Sinne des sprachlichen Futurums. 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