{"id":846,"date":"2020-05-26T18:54:57","date_gmt":"2020-05-26T16:54:57","guid":{"rendered":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=846"},"modified":"2021-03-18T02:11:31","modified_gmt":"2021-03-18T00:11:31","slug":"fuellfeder-oper-in-holz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=846","title":{"rendered":"F\u00fcllfeder-Oper in Holz"},"content":{"rendered":"<p>Das Opernhaus Z\u00fcrich pflegt Sinnbilder zu schaffen f\u00fcr die Werke, die auf seinem Programm stehen. Sie finden sich dann auf Plakaten und Programmheften. Da w\u00e4re also die F\u00fcllfeder. Sie wurde ausgew\u00e4hlt f\u00fcr die Oper \u00abWerther\u00bb von Jules Massenet, die mit einem Suizid endet. Wenn man so will, richtete seinerzeit Johann Wolfgang von Goethe mit seinem Schreibwerkzeug diesen Selbstmord an in seinem Briefroman \u00abDie Leiden des jungen Werther\u00bb. Also ist die F\u00fcllfeder durchaus einleuchtend, auch wenn Goethe mit dem Federkiel schrieb. Ausserdem war die Pistolenkugel als Opern-Sinnbild bereits besetzt f\u00fcr Tschaikowskis \u00abJewgeni Onegin\u00bb, der im Duell seinen Freund Lenski erschiesst. Das Symbol ist hier also durchaus stimmig. Und das trifft grosso modo auch zu bei der Benzinkanister-Oper \u00abDie Reise nach Reims\u00bb von Rossini, denn da fehlen einer Reisegesellschaft die Transportmittel, n\u00e4mlich die Pferde. Wer w\u00fcrde das aus heutiger Sicht nicht mit Treibstoffmangel assoziieren? Wo ein Benzinkanister ist, kann auch Schuhwerk nicht weit sein: f\u00fcr Massenets \u00abManon\u00bb etwa ein roter High-Heel (zwei w\u00e4ren besser) und ein beschmutzter Stiefel Country-Style f\u00fcr Donizettis \u00abLucia di Lammermoor\u00bb. O schaurig ist&#8217;s, \u00fcbers Moor zu gehn &#8211; aber nein, das hat nichts mit Donizetti zu tun, sondern mit Annette von Droste-H\u00fclshoff. Beil\u00e4ufig zu erw\u00e4hnen w\u00e4ren etwa auch die B\u00fcstenhalter-Oper \u00abDon Pasquale\u00bb von Donizetti und Offenbachs Korkenzieher-Oper \u00abLes contes d&#8217;Hoffmann\u00bb. Was sich Richard Strauss dachte, als er seine Schwingbesen-Oper schrieb, ist m\u00fcssig zu fragen, denn er dachte nichts dergleichen, sondern nannte das Werk \u00abCapriccio\u00bb. Ist es Schaumschl\u00e4gerei? Der Schwingbesen geh\u00f6rt in die K\u00fcche und w\u00e4re so auch als Symbol f\u00fcr \u00abWerther\u00bb denkbar gewesen, weil hier Charlotte, die Angebetete des Protagonisten, prosaische K\u00fcchenarbeit verrichten muss und sich in einer hochdramatischen Szene gelbe Latex-Handschuhe \u00fcberstreift um mit einem Abwaschbecken aus Polypropylen zu hantieren. Das veranlasst&nbsp; Werther zu erregtem Eingreifen, so dass man bef\u00fcrchten muss, das Wasser werde \u00fcberschwappen. Es ist aber nur die Leidenschaft. \u2013 Und was ist jetzt mit dem im Titel erw\u00e4hnten Holz? Das beherrscht als \u00dcbersinnbild die ganze Inszenierung der F\u00fcllfeder-Oper, die sich in der h\u00f6lzernen Welt eines schrecklich fournierten Innenraumes abspielt. Laut Libretto w\u00e4re im ersten Akt zwar eine Gartenterrasse mit Springbrunnen im Vordergrund vorgesehen und im zweiten Akt ein Platz bei der Kirche mit einer Wirtschaft zur Linken und dem Pfarrhaus zur Rechten. Aber Massenet und seine Librettisten hatte ja keine Ahnung von einem modernen Regiekonzept.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Opernhaus Z\u00fcrich pflegt Sinnbilder zu schaffen f\u00fcr die Werke, die auf seinem Programm stehen. Sie finden sich dann auf Plakaten und Programmheften. Da w\u00e4re also die F\u00fcllfeder. Sie wurde ausgew\u00e4hlt f\u00fcr die Oper \u00abWerther\u00bb von Jules Massenet, die mit einem Suizid endet. 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