{"id":980,"date":"2021-01-21T19:14:37","date_gmt":"2021-01-21T17:14:37","guid":{"rendered":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=980"},"modified":"2021-10-31T19:49:00","modified_gmt":"2021-10-31T17:49:00","slug":"verflixte-verimpfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nebenbeiblog.ch\/?p=980","title":{"rendered":"Verflixte Verimpfung"},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte nicht Deutsch lernen m\u00fcssen. Einen Text mit \u00abich\u00bb zu beginnen finde ich zwar fragw\u00fcrdig; aber hier war es am einfachsten.&nbsp; \u00abDeutsch lernen zu m\u00fcssen ist etwas, was ich nicht tun m\u00f6chte\u00bb w\u00e4re mir zu geschraubt gewesen, abgesehen von der Frage, ob nicht \u00abetwas, <i>das<\/i> ich nicht tun m\u00f6chte\u00bb statt \u00ab<i>was<\/i> ich nicht tun m\u00f6chte\u00bb richtig gewesen w\u00e4re. Doch das Kapitel \u00fcber die relativen Anschl\u00fcsse kommt sp\u00e4ter im Deutschunterricht. Zun\u00e4chst will man ja einige der wichtigsten Verben lernen, wie etwa \u00abessen\u00bb. Stark konjugiert, also nicht essen, esste, gegesst, sondern essen, ass, gegessen. Das kann man sich beispielsweise beim Apfelessen gut einpr\u00e4gen, indem man Biss f\u00fcr Biss die Kaubewegung mit \u00abessen, ass, gegessen\u00bb begleitet. Nur gedanklich, nicht laut aussprechen! Ein Apfel m\u00fcsste gen\u00fcgen. Ist er gegessen, sollte man es nicht mehr vergessen. Aber <i>ge<\/i>gessen, <i>ve<\/i>rgessen &#8211; was ist jetzt das mit dieser Vorsilbe? Was f\u00fcr eine Form von \u00abessen\u00bb ist \u00abvergessen\u00bb? Gar keine. Es gibt auch kein Verb \u00abgessen\u00bb. Der entsprechende Wortstamm ist in der grauen Vorzeit der germanischen Sprachentwicklung verloren gegangen (verloren &#8211; noch so ein Fall!). Zwischenbemerkung: Das Verb \u00abgissen\u00bb geh\u00f6rt zur seem\u00e4nnischen Fachsprache und hat mit alten Methoden der Positionsbestimmung zu tun; hatte sich der Navigator vergessen und sich vergisst, so war das vertrackt; als Laien k\u00f6nnen wir es aber vergessen. Hingegen kommt nun ein anderes Problem auf uns zu, n\u00e4mlich die Verimpfung. Das Wort, zusammen mit dem Verb \u00abverimpfen\u00bb, erscheint jetzt pandemisch in den Medien. Da heisst es vorsichtig sein, denn wenn die Vorsilbe ver- auftaucht, denkt man unwillk\u00fcrlich, es sei etwas schief gelaufen oder missraten, die Sache sei verbummelt oder verpfuscht worden. Das muss beim Verimpfen nicht unbedingt der Fall sein. Wenn mit dem verimpften Impfstoff ordnungsgem\u00e4ss geimpft worden ist, so ist das kein Problem. Aber als zu Impfender m\u00f6chte ich nicht verimpft, sondern richtig geimpft werden. Verimpfen heisst impfend verbrauchen. Dazu ist das Vakzin da. Die Impfwilligen hingegen sind nicht verimpfbar.<\/p>\n<p>Und dann w\u00e4re da noch etwas \u00c4sthetisches beizuf\u00fcgen. Nach einer zuverl\u00e4ssigen Quelle aus dem Jahre 1956 gab es damals eine dichterische Bewegung gegen das unsch\u00f6ne \u00abEmpf-\u00bb im poetisch wichtigen Wort Empfindung, das deshalb durch Entfindung ersetzt wurde (Nebelspalter Band 82 Heft 22). Und sch\u00f6ner als Impfung w\u00e4re doch auch Intfung. Denn was heisst eigentlich Pfung?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte nicht Deutsch lernen m\u00fcssen. 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