Es scheint ein Alptraum zu sein für die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), dass ihr Unternehmen in der Öffentlichkeit zu wenig beachtet werden könnte. Mit Plakaten wird dem entgegengewirkt. Eines davon prägt uns neuerdings ein: «Tram und Bus sind aus dem Zürcher Stadtbild nicht mehr wegzudenken.» (Ja, und wenn doch? Aber dieser abwegige Gedankengang soll hier nicht weiterverfolgt werden.) Denn die frohe Plakatbotschaft lautet: «Zürich muss den ÖV nicht unter der Erde verstecken: das neue Flexity-Tram.» Es wird auf dem Plakat in aller Pracht gezeigt – zusammen mit drei düsteren Bildern von Untergrundbahnen aus unbekannten Städten, die sich darob wohl schämen müssen. Im Weltformat angeschlagen ist das unter anderem nicht weit von der Tramhaltestelle Fröhlichstrasse. Dort in der Nähe befanden sich im vorletzten Jahrhundert das Depot und die Stallungen des Zürcher Rösslitrams. Das war bis 1900 in Betrieb – als in London bereits die erste Untergrundbahn verkehrte und in Paris mit dem Bau der Metro begonnen worden war. Aber Zürich blieb ja auch nicht beim Rösslitram; vielmehr wurden die Strassenbahnen elektrifiziert, und die Fahrzeuge wurden immer länger – bis hin zum knapp 43 Meter langen blau-weissen Flexity-Wunder. Manchmal weiss man im Zürcher Stadtbild gar nicht mehr, wohin man schauen soll vor lauter unverstecktem ÖV. Draussen im Seefeld, wo früher das Rösslitram rollte, während andernorts bereits der ÖV verlocht wurde, betreiben heute die VBZ zwei Tramlinien (neu mit Flexity) und eine Trolleybuslinie; da ist immer das eine oder andere ÖV-Fahrzeug in Sichtweite. Wäre das jemandem aufgefallen ohne das Plakat der VBZ? Immerhin zeigt dieses ja auch, dass die Zürcher sich freuen dürfen über die Untergrundbahn, die sie nicht haben.
