Einen Begriff zu haben wäre manchmal schön. Aber heutzutage werden einem häufig nur sprachliche Codes serviert, beispielsweise diese mit G. Dass solche Codes sich rasch in der Alltagssprache breit machen, dafür sorgen die Medien. Zwar sind Journalisten auch nur Menschen, und gelegentlich versuchen sie es darum mit bildlichen Ausdrücken. Gern verwendet wird gegenwärtig das Bild vom Nadelöhr, das entschärft werden sollte. Bei einem unscharfen Nadelöhr hätte es dann wohl Luft nach oben, und vielleicht ginge das biblische Kamel eher hindurch, doch das gehört hier nicht zur Sache. Zurück zum G-Thema! Bis vor nicht allzu langer Zeit sorgte vor allem 5G für Unruhe. Das ist ein Mobilfunkstandard der 5. Generation (aha, darum G), der an vielen Orten auf Opposition stösst – was allenfalls zu einem Nadelöhr in der Mobilfunkversorgung führen könnte. Aber lassen wir das und wenden uns dem oder den G aus der Welt der Pandemie zu, der Covid-19-Seuche also. G kann hier für dreierlei stehen, nämlich für geimpft, genesen oder getestet. Was bedeutet also 2G, 2G+ oder 3G? Auf dem eidgenössischen Coronavirusplakat des Bundesrates wird es so erklärt: 3G meint „Geimpfte, Genesene und Getestete“, 2G gilt für „Geimpfte und Genesene“, und bei 2G+ geht es um „in den letzten vier Monaten Geimpfte/Genesene oder Geimpfte/Genesene mit negativem Test“. Was ist jetzt eigentlich mit den gar nie Erkrankten, die darum auch nicht Genesene sind? Genügt etwa bei 2G auch nur 1 G, nämlich für geimpft oder genesen? Und kommt es auch bei 3G eigentlich nur auf eines der drei G an? Bei 2G+ scheint je nach dem Lauf der Zeit 1 G zu genügen, sofern man unter Geimpften/Genesenen nur Geimpfte oder Genesene oder Geimpfte und Genesene versteht, wobei das Plus „getestet“ bedeutet und zum erforderlichen G wird, wenn die andern G älter als vier Monate sind. Ist das jetzt alles klar? Im Zweifelsfall muss das eben mit dem Türsteher vor dem Partylokal durchdiskutiert werden. Eine andere Frage ist, was den Romands zugemutet wird, weil der Bundesrat sich nicht darum gekümmert hat, dass „personnes vaccinées, guérises ou testées“ sprachlich nur mit einem G etwas anfangen können. Und auf Italienisch ist es auch nicht besser. Müsste diese Verletzung des Verfassungsartikels betreffend die Landessprachen nicht die Treicheln (mindestens 2T) zum Klingen bringen? Wichtig zu wissen ist, dass unsachlicher Umgang mit 2G, 3G oder 2G+ dazu führen kann, dass die IPS zu einem Nadelöhr für die medizinische Versorgung werden können. (Wer IPS nicht versteht, soll sich endlich impfen lassen und dann zu Hause bleiben.) Noch etwas: Laut Google findet sich ein vollständiges Angebot zu 3G, 4G oder 5G im Fachhandel – halt, da sind wir wieder beim Mobilfunk. – Was bedeutet eigentlich G-Dur?
