Erschienen am 30.07.1997 in der NZZ unter «Nebenbei notiert»
bl. Einer Weisung des Regierungsrates, in der es um eine Teilrevision des kantonalen Richtplanes geht, ist zu entnehmen, dass «als künftiges Verkehrssystem für den Mittelverteiler Glattal eine mischflächenverträgliche, meterspurige Stadtbahn» vorgesehen ist. Nun haben wir uns ja schon einigermassen daran gewöhnt, dass die Planer unter «Mittelverteiler» nicht eine Einrichtung zur Verteilung von Mitteln verstehen, sondern ein öffentliches Nahverkehrsmittel für eine mittlere Verteilung von Fahrgästen. Das Pendant dazu wäre der Mittelsammler, von dem aber nie die Rede ist. Dafür wird uns nun die Mischflächenverträglichkeit präsentiert. Was sind Mischflächen? Da wäre beispielsweise die Farbmischfläche, Palette genannt, die von Malern verwendet wird. Der Palettenverträglichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel sollte in der Tat mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Ein Maler mit Palette in einer meterspurigen Stadtbahn findet sich äusserst selten – höchste Zeit also, mehr für die Beförderung der Künstler zu tun. Es gibt aber berechtigte Zweifel, ob der Mittelverteiler Glattal in diesem Sinne mischflächenverträglich werden soll. Intensive textkritische Studien führen zu einer anderen Hypothese: Mit Mischflächen könnten jene Flächen gemeint sein, auf denen eine Mischung von Verkehrsteilnehmern stattfindet, um es einmal mit schonungsloser Offenheit zu sagen. Der Laie ist geneigt, das als Strasse zu bezeichnen. Ist eine mischflächenverträgliche, meterspurige Stadtbahn etwa nichts anderes als eine Strassenbahn? Man weiss nicht recht; denn die Verträglichkeit zwischen der Mischfläche Strasse und einer meterspurigen Stadtbahn ist eigentlich dann am grössten, wenn man sie voneinander trennt. Mit einem Wort: es herrscht Mischflächenverträglichkeitserklärungsbedarf.
