Der Dirigent Franz Welser-Möst ist gefalzt worden. Nicht gefilzt, gefalzt. Das ist ihm in der Zeitung passiert, wo sein Bild so auf einer Panoramaseite platziert worden ist, dass ihm der senkrechte Falz des Blattes mitten durch das Gesicht geht. Panoramaseiten, die zwei Seiten zu einer zusammenfassen, sind offenbar die Hohe Schule der Zeitungsgestaltung. An den Leser wird dabei nicht gedacht. Denn um die Gestaltung einer Panoramaseite als Gesamtkunstwerk würdigen zu können, muss man die Zeitung mit gestreckten Armen vor sich halten oder auf einem Tisch ausbreiten. Zum Lesen geht das weniger gut, und unterwegs mit dem ÖV oder im Café ist das auch nicht tunlich. Die meisten Leute halten die Zeitung bei der Lektüre als gefalzten Bund in der Hand, und dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass die Seiten innen etwas zerknautscht werden. Und das ganze ästhetische Bemühen der Zeitungsgestalter mit der Panoramaseite ist zunichte gemacht, wenn das Gesicht des gefalzten Chefdirigenten in der Knautschzone verschwindet. Was aber passiert in der Online-Ausgabe, die ja allmählich die zu Print reduzierte gedruckte Zeitung überflügelt? Da zerfällt die Panoramaseite vollends in zwei Einzelseiten. Über der ersten Seite steht in unserem Fall: «Unterforderung ist d. Über der nächsten Seite liest man: as Schlimmste». Und dazu je das Bild eines halben Chefdirigenten. Jüngere Leser kennen wahrscheinlich Ludwig Uhlands Balladen nicht mehr, aber ältere fühlen sich allenfalls an dessen Verse erinnert: «Zur Rechten sieht man wie zur Linken / einen halben Türken herniedersinken». Was hier selbstverständlich völlig unangemessen ist.
