Kann man Schlieren lieben? Na ja, wahrscheinlich, je nachdem wie es einem da gefällt. Eine andere Frage ist, wie es denn um die Liebesfähigkeit einer Dienstabteilung des Departementes der Industriellen Betriebe der Stadt Zürich bestellt ist, beziehungsweise wie man sich diese vorzustellen hätte. Denn eine dieser Dienstabteilungen liebt angeblich Schlieren. Es handelt sich um die VBZ, und so liest man es auf Plakätchen in Tramwagen und Bussen: «Wir lieben Schlieren. Deshalb haben wir die Tramlinie 2 bis Geissweid verlängert.» Unterschrieben VBZ. Die neue Strecke von Altstetten nach Schlieren ist allerdings nicht von den VBZ mit Liebe gebaut worden, sondern von der Limmattalbahn AG mit einem Kredit, den die Stimmberechtigen des Kantons Zürich bewilligt haben (die Schlieremer waren zwar mehrheitlich dagegen). Weitere Etappen folgen. Und der Betrieb der verlängerten Tramlinie erfolgt nicht unter Absingen von Liebesliedern, sondern als Leistung im Rahmen des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV), der dafür bezahlt. Die Botschaft, dass jetzt das Tram 2 bis nach Schlieren fährt, käme bei den Interessierten wohl auch ohne Liebelei an. Warum also der falsche Werbeschmus? Der Grund liegt wohl darin, dass bei den VBZ, dieser Dienstabteilung des Departementes für Industrielle Betriebe, so etwas wie ein Liebesbedürfnis schwelt. Denn laut Unternehmensstrategie haben die VBZ eine Ambition: «Unsere Kundinnen und Kunden sind unsere Fans.» Warum kann eine städtische Dienstabteilung ihr Aufgaben nicht ohne solches Brimborium erfüllen? Es genügt doch, dass die Kunden zufrieden sind, wenn das Tram oder der Bus rechtzeitig kommt und es darin einigermassen sauber ist.
