Wie menschlich ist human? Ja, das kommt darauf an. Wenn es um Humankapital geht oder um Human Resources, dann sind eigentlich weniger die Menschen an und für sich gemeint, sondern betriebswirtschaftliche Grössen, Produktionsfaktoren. «Humankapital» wurde 2004 zum deutschen Unwort des Jahres erklärt: Der Begriff degradiere nicht nur Arbeitskräfte in Betrieben, sondern Menschen überhaupt zu nur noch ökonomisch interessanten Größen. Dagegen protestierten Ökonomen. Humankapital im ursprünglichen Sinn müsse doch als Erfolgsfaktor, Ressource oder Potential angesehen werden, als positiv belegter Begriff der Mitarbeiter als Wert des Unternehmens. Ja, eben, so reden Sprachkritiker und Ökonomen aneinander vorbei. Human Resources jedenfalls tönt verdächtig nach Menschenmaterial (dem Unwort des 20. Jahrhunderts). Das fällt weniger auf, wenn man es abkürzt zu HR (ausgesprochen eitschaa, es ist ja englisch). Manche Ökonomen werden das nicht verstehen wollen. Schliesslich sind englische Ausdrücke ja auch gefragt, weil man sich nicht um ihren eigentlichen Sinn kümmern muss. Dass Human Resources eine unnütze Bereicherung der deutschen Sprache ist, hat der Stadtrat von Zürich unfreiwillig bewiesen. Uneingedenk des Umstandes, dass Deutsch Amtssprache ist, verpasste er dem Personalamt eines Tages die Bezeichnung «HR Stadt Zürich (Human Resources Management Stadt Zürich [HRZ])» – vollständig mit runden und eckigen Klammern, für geschweifte reichte es nicht mehr. Das war dann doch zu schwerfällig, also wurde die Sprachblähung kuriert und auf Human Resources Management reduziert. Der Aufgabenkatalog dieser Dienstabteilung umfasst 14 Punkte: Er handelt vom Personalwesen, vom Personalrecht und von Personalreglementen, von Personalführung, Personalabteilungen, Personalgeschäften, Personalentwicklung, Personen in Erstausbildung, Personalkosten, von der Personalversicherung und der Personalwerbung oder auch einfach von Personal. Von Human Resources steht nichts darin. Den Ausdruck könnte man also einfach vergessen. Der Trend der Zeit geht übrigens Richtung Personalized Human Resources. Am besten liesse sich das HRM personalisieren mit der Bezeichnung Personalamt.
