Moderne Grossmütter sind keine Grosis mehr. «Das Grosi» ist eigentlich unmöglich geworden. In einer genderbewussten Gesellschaft kann man doch Frauen nicht mehr verdinglichen. Es fiele ja auch niemandem ein, den Grossvater als «das Opi» oder gar «das Gropi» zu bezeichnen. Auf neuere Bestrebungen, das binäre Grosselternkonzept überhaupt abzuschaffen (wobei man dann Sternchen sieht), sei hier nicht weiter eingegangen. Jedenfalls müssten die vereinigten Grossmütter dagegen rebellieren, dass neuerdings mit einem Grosi-Bäbi eine Kampagne für ein «entspanntes Verkehrsklima» geführt wird. «Grosi an Bord» heisst die Aktion; sie ist ersonnen worden von der Zürcher Verkehrskonferenz unter Anführung der Stadt Zürich. «Fahr so, wie wenn dein Grosi dabei wäre,» lautet die Empfehlung. Das Grosi ist hier tatsächlich ein Ding, nämlich eine milde lächelnde Puppe mit Kulleraugen hinter grossen Brillengläsern und einer museumswürdigen Altfrauenfrisur. Es höckelt auf dem urbanen Rucksack eines jungen Mannes, hat es sich bequem gemacht im Einkaufskorb auf dem Velo einer jungen Frau und hat sogar mit einer Lismete Platz genommen auf der Lenkradnabe eines Autos, das gemäss Tacho mit 50 km/h unterwegs ist. «Vorerst wird Grosi auf Plakaten, im Tram, auf Velos, Dienstfahrzeugen, Aufklebern und Behördeninformationen auftreten,» teilt das Sicherheitsdepartement der Stadt Zürich mit. Und nun die schlechte Nachricht: Es sind bereits 45’000 Grosi-Sticker verschickt worden. Die gute Nachricht dazu: Die Aufkleber sollen sich leicht wieder ablösen lassen. Und jedenfalls wissen wir jetzt, dass ein Mangel an Grosis schlecht ist für das Verkehrsklima. Aber wie fährt man eigentlich, wenn das Grosi dabei ist?
