Da ist nichts zu machen: Es gibt Leute, die keinen Sinn für Satire haben. In der Schule wird das Thema ja auch vernachlässigt, aber man muss nicht in allem ein Versagen des Bildungssystems sehen. Immerhin bemüht sich doch das Fernsehen im Rahmen seines durch die Konzession bestimmten gesellschaftlichen Auftrages auch um die Satire. Und das ist eine Plage für die Beschwerdeinstanzen. Immer wieder müssen sie Satiresendungen wegen eingeklagter Konzessionsverletzungen unter die Lupe nehmen, wenn Fernsehzuschauer einzeln oder kollektiv Anstoss nehmen. Die Aufsichtsorgane gehen dann von dem Grundsatz aus, dass Satire (fast) alles darf. Das ist eine abgeschwächte Berufung auf Kurt Tucholsky, der im Jahre 1919 im Berliner Tageblatt unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel die berühmten Worte schrieb: «Was darf die Satire? Alles.» Es war der Schlusspunkt unter einem Text, der sich mit der Rolle der Satire im damaligen Deutschland befasste. Nach Tucholsky ist die Satire dazu da, Anstoss zu erregen. Aber ganz sicher vertrat Tucholsky nicht die Meinung, dass jede Gemeinheit erlaubt sei, wenn man ihr nur das Etikett der Satire anhänge. Vielmehr bezeichnete er Satire als Charaktersache: «Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den.» Satiriker stehen also nicht über jeder Kritik. Aber wenn man einen satirischen Mist kritisiert, braucht man ja nicht gleich nach Verboten zu rufen. Eine Erscheinung, von der Tucholsky nichts wissen konnte, ist die Fernseh-Satire. Satiriker mit eigener Sendung, denen der Szenenapplaus von der Regie eingeblendet wird, laufen ja immer Gefahr, sich für eine höhere Instanz zu halten, weil ihr Publikum so gross ist und sie doch (fast) alles dürfen. Und nicht selten entsteht ein Kult um sie. Das allerdings tut der Satire nicht gut.
