Social Distancing ins Deutsche übersetzt heisst soziale Distanzierung, und da müsste man doch sofort merken, dass das nicht gemeint sein kann, wenn es um eine Massnahme zur Verminderung der Infektionsgefahr geht. Eigentlich braucht es überhaupt keinen englischen Ausdruck, um die Leute zum Abstandhalten aufzufordern, sprich zur Wahrung eines Sicherheitsabstandes zu ermahnen oder räumliche Distanz zu empfehlen. Und schon gar nicht braucht es dazu einen verfehlten englischen Ausdruck. «Social distancing» war zwar ursprünglich von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Richtlinien zur Bekämpfung von Grippeepidemien empfohlen worden, aber inzwischen hat sich die WHO korrigiert und spricht von «physical distancing», also von physischer Distanz, weil man ja nicht das soziale Beziehungsnetz zerstören wolle. Doch da sich inzwischen, ausgehend von amerikanischen Gesundheitsinstitutionen, der verfehlte Begriff wie ein Lauffeuer verbreitet hat, wird er kaum mehr auszurotten sein. Immerhin macht man sich heutzutage nicht nur in Zusammenhang mit Gender-Problemen Gedanken zum Sprachgebrauch, und so haben doch viele gemerkt, dass soziale Distanzierung das Gegenteil von sozialem Zusammenhalt ist, auf den es jetzt ankommt. Der Ausdruck Social Distancing stösst immer mehr auf Ablehnung. Nun müssten das nur noch die Medien lernen.
