Das Opernhaus Zürich pflegt Sinnbilder zu schaffen für die Werke, die auf seinem Programm stehen. Sie finden sich dann auf Plakaten und Programmheften. Da wäre also die Füllfeder. Sie wurde ausgewählt für die Oper «Werther» von Jules Massenet, die mit einem Suizid endet. Wenn man so will, richtete seinerzeit Johann Wolfgang von Goethe mit seinem Schreibwerkzeug diesen Selbstmord an in seinem Briefroman «Die Leiden des jungen Werther». Also ist die Füllfeder durchaus einleuchtend, auch wenn Goethe mit dem Federkiel schrieb. Ausserdem war die Pistolenkugel als Opern-Sinnbild bereits besetzt für Tschaikowskis «Jewgeni Onegin», der im Duell seinen Freund Lenski erschiesst. Das Symbol ist hier also durchaus stimmig. Und das trifft grosso modo auch zu bei der Benzinkanister-Oper «Die Reise nach Reims» von Rossini, denn da fehlen einer Reisegesellschaft die Transportmittel, nämlich die Pferde. Wer würde das aus heutiger Sicht nicht mit Treibstoffmangel assoziieren? Wo ein Benzinkanister ist, kann auch Schuhwerk nicht weit sein: für Massenets «Manon» etwa ein roter High-Heel (zwei wären besser) und ein beschmutzter Stiefel Country-Style für Donizettis «Lucia di Lammermoor». O schaurig ist’s, übers Moor zu gehn – aber nein, das hat nichts mit Donizetti zu tun, sondern mit Annette von Droste-Hülshoff. Beiläufig zu erwähnen wären etwa auch die Büstenhalter-Oper «Don Pasquale» von Donizetti und Offenbachs Korkenzieher-Oper «Les contes d’Hoffmann». Was sich Richard Strauss dachte, als er seine Schwingbesen-Oper schrieb, ist müssig zu fragen, denn er dachte nichts dergleichen, sondern nannte das Werk «Capriccio». Ist es Schaumschlägerei? Der Schwingbesen gehört in die Küche und wäre so auch als Symbol für «Werther» denkbar gewesen, weil hier Charlotte, die Angebetete des Protagonisten, prosaische Küchenarbeit verrichten muss und sich in einer hochdramatischen Szene gelbe Latex-Handschuhe überstreift um mit einem Abwaschbecken aus Polypropylen zu hantieren. Das veranlasst Werther zu erregtem Eingreifen, so dass man befürchten muss, das Wasser werde überschwappen. Es ist aber nur die Leidenschaft. – Und was ist jetzt mit dem im Titel erwähnten Holz? Das beherrscht als Übersinnbild die ganze Inszenierung der Füllfeder-Oper, die sich in der hölzernen Welt eines schrecklich fournierten Innenraumes abspielt. Laut Libretto wäre im ersten Akt zwar eine Gartenterrasse mit Springbrunnen im Vordergrund vorgesehen und im zweiten Akt ein Platz bei der Kirche mit einer Wirtschaft zur Linken und dem Pfarrhaus zur Rechten. Aber Massenet und seine Librettisten hatte ja keine Ahnung von einem modernen Regiekonzept.
