Der Grosse Aletschgletscher fährt nun bildlich Tram in Zürich. Er findet sich auf einem Plakat an der Scheibe hinter dem Sitz des Trampiloten. Ein Informations-Display würde hier den Tramfahrgästen zwar besser dienen, aber nun müssen sie sich eben vom eindrücklichen Bild des Gletschers begeistern lassen. Der Blick fällt vom Eggishorn her auf ihn, wie er sich breit hinaufzieht bis zum Konkordiaplatz und zum Jungfraufirn, mit Eiger und Mönch am Horizont. Man soll die Zeichen erkennen, steht darunter. Die Zeichen der Vergletscherung? Wer so etwas zu äussern wagte, müsste ganz rasch den Kopf einziehen. Sagt man Gletscher, so muss man auch Klimawandel sagen, oder zumindest daran denken. Und wer’s nicht selbst merkt, dem wird mit dem Text auf dem Plakat auf die Sprünge geholfen: «Steigen Sie aufs klimaschonende Tram um.» Das ist nun etwas verwirrlich, da ich ja schon im Tram bin. Weshalb soll ich denn jetzt umsteigen? Es wird im Kleingedruckten nachgedoppelt: «Mit Tram oder Trolleybus kommen Sie mit Elektro-Energie komfortabel ans Ziel in Zürich. Und schonen neben dem Klima gleich noch die Nerven im dichten Stadtverkehr.» Falls man sich aber im Tram oder im Trolleybus einmal nicht ganz so komfortabel fühlen sollte, weil sich zu viele klimaschonende Menschen in den Wagen drängen, die manchmal auch Abfall liegen lassen: dann einfach die Augen schliessen und sich der Elektro-Energie hingeben – aber dabei nicht etwa Gedanken an die Probleme der Energieversorgung aufkommen lassen. Und wer Zeit hat, bleibt bis zur Endstation im Tram, sucht sich dort einen Platz mit Blick auf den Grossen Aletschgletscher und fährt gleich noch einmal eine Runde. Man muss doch etwas tun fürs Klima. Ausserdem soll es gut sein für die Nerven im dichten Stadtverkehr.
