Verpasster Welttag

Jetzt habe ich doch tatsächlich den Welttag der Emojis verpasst. Die Ausrede, ich hätte mich eben voll und ganz dem auf das gleiche Datum angesetzten Welttag der internationalen Justiz gewidmet, wäre so sehr übertrieben, dass man es geradezu als gelogen bezeichnen könnte. Die Wahrheit ist, dass ich einfach zu spät etwas vom Emojis-Aktionstag erfahren habe, so wie mir auch am Vortag der Welttag der Schlangen entgangen ist, was vielleicht verzeihlich ist, weil wir ja gegenwärtig in der Schweiz das Jahr des Hermelins begehen. Ich weiss nicht, wie sich Hermeline und Schlangen vertragen, aber man sollte das Hermelin nicht unterschätzen. Sowohl Schlangen, Hermeline und Justiz sind übrigens nicht allgemein als Emojis verfügbar. Denn es gibt die Emoji-Welten von Apple und Google für die jeweiligen iOS- oder Android-Versionen, von WhatsApp, Twitter und so fort, und Windows ist ohnehin ein Sonderfall. Da drängt sich ja ein Welttag zur Förderung der Verständigung geradezu auf.
Die Wahrheit aber ist, dass ich ein Emoji-Muffel bin. Die richtige Form des verbalen Ausdrucks zu finden ist mir Herausforderung genug. Ich schaffe das ganz ordentlich mit dem Alphabet der deutschen Sprache, bestehend aus zweimal 29 Zeichen (Gross- und Kleinbuchstaben, Umlaute inbegriffen) und einigen Satz- und Sonderzeichen. Die Sprache der Emojis aber umfasst Hunderte von Symbolen, und es werden in regelmässigen Abständen Dutzende hinzugefügt. Und nun geht es ja nicht an, seinen Text so einfach nach Lust und Laune anzureichern mit einem Emoji, das man lustig findet. Denn da könnte man bös ins Fettnäpfchen treten, wenn man etwa einen abgewandelten Smiley mit nach links herunterhängender Zunge verwendet, wo einer mit der Zunge rechts am Platz wäre. Fachleute weisen darauf hin, dass sehr viele Emojis falsch eingesetzt werden. Da soll ja beispielsweise die frontal präsentierte Faust teils als Freundschaftsangebot, teils als Kampfansage gedeutet werden können. Wem soll man da noch trauen? Es ist jedenfalls davon abzuraten, seinem Korrespondenzpartner ein Emoji an den Kopf zu werfen, ohne zu bedenken, dass er alsbald den Rechtsweg beschreiten könnte. Und es gibt diese Finger-Emojis, wo die Verwechslung eines Zeigefingers mit einem Mittelfinger infolge eines Tippfehlers Anlass zu öffentlichen Unruhen und Gewaltausbrüchen grösseren Umfanges werden könnte. Das Thema Emojis und Religiosität wäre ein weites Feld, zu weit, um hier darauf einzugehen. Und last but not least ist da das Problem mit den sexistischen Emojis, das unvermeidlich ist, weil der Sexismus ja überall lauert. Für einen Welttag der Emojis fehlt es also nicht an brennenden Themen. Aber ohne mich. 😶

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