Der Kampf gegen Windmühlen findet sich in meinem Leibblatt und anderswo immer wieder in Titeln und Texten. Aber es sollte mit diesem Bild vorsichtig umgegangen werden, denn manchmal ist es unpassend oder gar beleidigend. Es leitet sich ja ab vom legendären Kampf, den der selbsternannte Ritter Don Quijote im Roman von Miguel de Cervantes gegen Windmühlen führte. Nun lässt Cervantes von Anfang an keinen Zweifel daran aufkommen, dass Don Quijote verrückt ist. Er verwechselt die reale Welt mit seiner imaginären Ritterwelt, welche die fiktive Welt der Ritterromane ist, die er im Übermass verschlungen hat. Es ist eben nicht immer so, dass Lesen bildet. Und da Don Quijote mangels Realitätsbezug auch Störungen der visuellen Wahrnehmung hat, erscheinen ihm Windmühlen als eine Schar von übelgesinnten Riesen, gegen die unerschrocken den Kampf aufzunehmen ihm seine Ritterpflicht gebietet. Da sich nun die Flügel der Windmühlen zu drehen beginnen, wegen des aufkommenden Windes und nicht aus Schrecken vor dem kühnen Ritter, ist der Kampf bald entschieden, und Don Quijote liegt niedergeschmettert und lädiert auf dem Boden.
Nun zurück zum bildlichen Windmühlenkampf in der Zeitung: Wenn in der Realität ein Mensch, der nicht verwirrten Sinnes ist, einen anscheinend aussichtslosen Kampf führt gegen Gegner, Zustände, Verhältnisse, die nicht seiner Phantasie entsprungen sondern wirklich vorhanden sind, so ist er kein Don Quijote, der gegen Windmühlen als vermeintliche Feinde ficht. Ein Vergleich mit diesem Verrückten ist dann nicht fair. Womit aber nicht gesagt sein soll, es gebe heute keine Verrückten mehr, die einen Kampf gegen Windmühlen führen.
