«Es geht letztlich darum, den grössten gemeinsamen Nenner zu ermitteln und daraus eine gemeinsame Vision abzuleiten», erklärt der Chef eines Unternehmens, das sich neu erfinden muss, wie es in der Zeitung heisst. Auf der Erfinderlaufbahn kann er so weit kommen, nur nicht ans Ziel. Denn einen grössten gemeinsamen Nenner gibt es nicht. Hier gilt es, sich die Tücken des Bruchrechnens in Erinnerung zu rufen, in das man an der Primarschule eingeweiht wurde. In dieser Phase begann sich bei den mathematischen Hoffnungsträgern die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber wir kommen nicht darum herum, da nochmals einzusetzen: Der Nenner ist die Zahl, die unter dem Bruchstrich steht; die Zahl darüber ist der Zähler. Will man nun beispielsweise ein Drittel und ein Viertel zusammenzählen, so gibt es ein Problem: Die beiden Brüche haben nicht den gleichen Nenner – beim Drittel steht eine 3 unter dem Strich, und beim Viertel eine 4, und so kann man sie nicht addieren. Man muss sie also zuerst auf den gleichen Nenner bringen, und da bietet sich 12 an. 12 Zwölftel sind ein Ganzes, und das lässt sich nun sowohl dritteln als auch vierteln, und die Addition ergibt dann 7 Zwölftel. Wenn man lieber einen grösseren Nenner als 12 hat, so kann man zum Dritteln und Vierteln jedes beliebige Vielfache von 12 nehmen, und das Ergebnis kann man dann kürzen (die nächste Schikane des Bruchrechnens), so dass man wieder bei 7 Zwölftel ist. Versuchen wir es also mit dem Nenner 84 oder 156 . . . nein, jetzt reichts! Die Mathematik lehrt uns, dass es von jeder Zahl unendlich viele Vielfache gibt; die Suche nach dem grössten gemeinsamen Nenner ist also aussichtslos. Wenn also verschiedene Interessen zur Deckung gebracht werden sollen, muss man sich zusammenraufen, um den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Damit rechnet es sich besser. Aber was soll jemand, der nach Grösse strebt, mit dem Kleinsten anfangen?
