Die Zürcher an sich sind immer wieder einmal Gegenstand vertiefter Betrachtungen in den Medien – beispielsweise aus Anlass der Verlegung eines Radiostudios von Bern nach Zürich. Also machen wir uns auf die Suche nach dem typischen Exemplar. Das ist in der Realität gar nicht so einfach. Die Zürcher sind in der Stadt Zürich nämlich in der Minderheit. Man muss das einmal klar und deutlich sagen. Es ist auch statistisch belegt: Von 425 682 Einwohnern der Stadt Zürich, die im Statistischen Jahrbuch für das Jahr 2016 ausgewiesen werden, waren 146 251 im Kanton Zürich heimatberechtigt, davon 111 238 in der Stadt Zürich. Aber das Gewimmel und Gedränge von Menschen auf der Strasse und in den öffentlichen Verkehrsmitteln wird ja nicht nur von Angehörigen der ständigen Wohnbevölkerung verursacht, sondern auch von Touristen, Arbeitspendlern und anderweitigen Besuchern der Stadt. Ausserdem ist in Betracht zu ziehen, dass von den Stadtbürgern eine nicht ganz unbedeutende Zahl eingebürgerte Zugezogene sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass man beispielsweise im Kino einen Sitz neben einem waschechten Zürcher erhält, ist also gar nicht so gross. Vielleicht müsste man das Augenmerk auf die Repräsentanten der Stadt richten, also beispielsweise auf die Stadtoberhäupter. Die amtierende Stadtpräsidentin kommt aus dem Aargau, ihre beiden Vorgänger waren ein St. Galler und ein Luzerner. Es ist bald drei Jahrzehnte her, seit das Stadtpräsidium in den Händen eines gebürtigen Stadtzürchers lag. Doch schon Zwingli war ja ein Zugezogener. Von den Mitgliedern des Zürcher Regierungsrates können wir absehen; die sind ohnehin nur ausnahmsweise stadtzürcherischer Herkunft. Oder nehmen wir die Exponenten der Zürcher Wissenschaft: Der erste Rektor der Universität Zürich war der Deutsche Lorenz Oken, der amtierende Rektor stammt aus St. Gallen und ist schweizerisch-kanadischer Doppelbürger. Aber es gab dazwischen selbstverständlich auch immer wieder einmal einen Zürcher an der Spitze der Alma Mater Turicensis. Alles in allem ist jedoch die Trefferquote bei der Suche nach echten Zürchern unbefriedigend. Aber wen stört das?
