Die Geschichte ist nicht ganz neu, aber sie ist immer noch eine hübsche Anekdote. Es geht dabei um die Brunibrücke. Wer nicht weiss, wo sich diese befindet, muss sich deswegen keine Gedanken machen. Aber solche machte sich der Abendredaktor in der Zeitung, als eine Polizeimeldung über einen tödlichen Unfall bei der Brunibrücke an der Töss in Winterthur eintraf. Er hätte gerne eine präzisere Ortsangabe gehabt, denn die Töss schlängelt sich doch in beträchtlicher Länge von Sennhof im Osten bis zur Tössallmend im Westen durch die Stadt Winterthur und um sie herum. Ein Anruf bei der Stadtpolizei Winterthur sollte Klarheit bringen. Aber das war falsch. Verfehlt war vor allem, die Frage nach der Brunibrücke mit dem Hinweis auf die Unfallmeldung zu verbinden. Denn der Diensthabende erklärte, dazu könne er nichts sagen, da die Kantonspolizei für den Fall zuständig sei. Der Redaktor versicherte, dass er gar keine Fragen zum Unfall stellen wolle, sondern nur eine Auskunft über die Örtlichkeit wünsche, da doch anzunehmen sei, dass man bei der Stadtpolizei Winterthur wisse, wo sich die Brunibrücke befinde. ‒ Ja natürlich wisse man das, aber es handle sich jetzt eben um einen Fall der Kantonspolizei. – Wenn also dort kein Unfall passiert wäre, könnte er dann den Standort der Brunibrücke verraten? – Ja sicher, aber jetzt sei es eben eine Unfallsache und man solle sich doch an die Kantonspolizei wenden. Freundlicherweise nannte der Stadtpolizist dann sogar die Telefonnummer der zuständigen Stelle. Dort war man ohne Weiteres zur Auskunft bereit. Nur kannte der auskunftswillige Kantonspolizist die Brunibrücke nicht. Er meinte zwar, bei Sennhof, wo die Strasse nach Kyburg die Töss kreuze, habe es doch «so ä bruni Brugg», das müsse sie wohl sein. Von einer anderen gedeckten Holzbrücke über die Töss, die der Redaktor erwähnte, wisse er nichts. So kam die Unfallmeldung eben ohne nähere Verortung der Brunibrücke in die Zeitung. Spätere Erkundigungen ergaben dann, dass es sich bei dieser nicht um die namenlose Brücke der Strasse von Sennhof nach Kyburg handelt, sondern um die weiter flussabwärts gelegene gedeckte Holzbrücke, die etwa 800 Meter oberhalb der Sportanlagen des Reitplatzes die Töss überquert. Brunibrücke heisst sie übrigens, weil sie 1839 im Bruni, einem Gebiet bei Pfungen, als Verbindung nach Neftenbach erbaut worden war; von dort wurde sie 1974 verschoben an den heutigen Standort. Heutzutage lässt sie sich auch auf den verschiedenen Kartenwerken im Internet finden ‒ nur nicht mit der Suche nach „Brunibrücke“. Die Kartografen mit ihrer Neigung zum Mundartlichen nennen sie eben „Brunibrugg“, und in der Nähe befindet sich nicht der Reitplatz, sondern der „Ritplatz“ ‒ wobei uns „Riitplatz“ besser gefiele.
