Sexistisches Bekenntnis

Zugegeben, dieser Blog ist sexistisch. Seine Texte stammen ausschliesslich von einem Mann, was ja an und für sich schon Verdacht erwecken muss. Offensichtlich zeigt es sich aber darin, dass der Autor sich nicht davon abbringen lässt, ohne Rücksicht auf feministische Klagen dann und wann das generische Maskulinum im Plural anzuwenden. «Generisch» bedeutet laut dem Fremdwörterbuch von Duden:
a) das Geschlecht oder die Gattung betreffend;
   b) (Sprachwiss.) in allgemeingültigem Sinne gebraucht.
«Generisch» betrifft also entweder das Geschlecht oder auch gerade nicht. Verwirrt? Dann hilft vielleicht die Erklärung in Wikipedia: «Von einem generischen Maskulinum spricht man in der Linguistik, wenn Bezeichnungen männlicher Referenten benutzt werden, um eine Allgemeinheit zu bezeichnen oder gemischtgeschlechtliche Gruppen oder Referenten, deren Geschlecht (Sexus) unbekannt oder gleichgültig ist.» Wobei man wissen muss, dass «Referent» in der Linguistik auch nicht das bedeutet, was der Laie darunter versteht. Aber das führt jetzt wohl zu weit. Versuchen wir es mit einfacher Sprachlehre: Jedes Nomen hat sein grammatisches Geschlecht, das auch Genus genannt wird. Es gibt deren drei, nämlich, Ladies first: das weibliche (Femininum), das männliche (Maskulinum) und das sächliche (Neutrum). Das generische Maskulinum ist also ein generisches Genus. Während Jahrhunderten galt in der Sprachwissenschaft die Auffassung, das grammatische Geschlecht (Genus) des Nomens habe nicht zwingend etwas zu tun mit dem biologischen Geschlecht (Sexus) dessen, was es bezeichnet. Lasset den Menschen, ob Mann oder Frau, Mensch sein, Maskulinum hin oder her. (Wir wollen jetzt nicht eingehen auf das generische Neutrum «das Mensch», wie es etwa bei Gottfried Keller dort vorkommt, wo «Kathinka, dieses Saumensch . . .» besungen wird.) Heutzutage weiss die Sprachwissenschaft nicht mehr recht, was sie davon halten soll. Ist es nicht vielleicht oder eher sogar wahrscheinlich eine sexuelle Zumutung, wenn eine weibliche Person mit einem Nomen im Maskulinum bezeichnet wird? Jedenfalls muss jetzt mit den Begriffen «generisches Maskulinum» und «generisches Femininum» Klarheit geschaffen werden, dass damit nicht das biologische Geschlecht gemeint sei, was anderseits eine Vernachlässigung desselben impliziert. Verflixt ist vor allem das generische Maskulinum im Plural, soweit es ein Kollektiv betrifft, das Frauen und Männer umfasst. Die Männer sind eher geduldige Personen (generisches Femininum), aber wie ist es denn beispielsweise im Zug mit den Frauen unter den Passagieren (generisches Maskulinum) – geht denn das? Es muss. Die Männer sollen sie einfach ohne generische Hintergedanken respektieren.

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