Shakespeare kennt man auswendig

Wie kann man rasch jemanden intellektuell in die Ecke stellen? Etwa mit einem Satz wie diesem:

«Die ganze Welt ist eine Bühne, und alle Frau’n und Männer blosse Spieler» – so heisst es bekanntlich in Shakespeares Komödie «Wie es euch gefällt».

So steht es in einem Theaterprogramm zu einem Werk von Rossini, der nie Shakespeare vertont hatte. Und ein beträchtlicher Teil der Leser hätte wohl das Shakespeare-Zitat nicht ohne weiteres einordnen können, obwohl es doch bekanntlich leicht zu finden ist in Akt II, Szene VII von «Wie es euch gefällt». Man kennt sich doch aus in  Shakespeares zehn Komödien (oder sind es zwölf, wenn nicht gar dreizehn?),  so dass es auch keine Verwechslung geben kann mit der Stelle im «Kaufmann von Venedig», wo es bekanntlich heisst, die Welt sei eine Bühne, auf der jedermann eine Rolle spielen müsse. Uff – genug des Bluffs, und Google und Wikipedia sei gedankt! Jedenfalls ist es schon sehr hochnäsig, mit «bekanntlich» dem Leser etwas an den Kopf zu werfen, von dem man wissen müsste, dass es eben doch nicht so allgemein bekannt ist. Es ist sozusagen ein intellektueller Tritt an das Schienbein aller, die sich offenbar nicht auf der Höhe des Autors befinden. Vielleicht ist es aber auch nur Gedankenlosigkeit.

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