Um die Zukunft ist es schlecht bestellt; sie verschwindet langsam aber sicher. Nein, das hat nichts mit dem Klimawandel zu tun, der noch eine Zukunft vor sich hat und geradezu auf sie angewiesen ist, weil wir ihn sonst einfach vergessen könnten. Gemeint ist hier die Zukunft im Sinne des sprachlichen Futurums. Gelegentlich erinnern sich Schreibende noch daran, dass es so etwas gibt, aber als unbedingt nötig gilt es offensichtlich nicht mehr. Anders ist das mit der Vergangenheit, die wir hinter uns haben, zu der jedoch noch viel zu sagen ist. Dafür gibt es im Deutschen als Vergangenheitsformen das Perfekt, genauer gesagt das Präsensperfekt, das Präteritum (auch Imperfekt genannt) und das Präteritumperfekt, älteren Semestern als Plusquamperfekt bekannt. Mehr hat Duden gegenwärtig nicht zu bieten. Zum Glück ist das alles geschlechtsneutral, wenigstens vorläufig noch. Und wie wendet man diese Zeitformen an? Zur Beantwortung dieser Frage muss man sich gemäss Duden-Grammatik klar werden über die Art des Vergangenheitsbezugs und das Verhältnis des Orientierungszeitpunktes zum Sprecher-Jetzt. Das dauert beim Schreiben aber zu lang. Irgend jemand hat darum einmal die Faustregel eingeführt, dass der erste Satz einer Zeitungsmeldung im Perfekt stehen müsse. Dann geht es im Präteritum weiter, weil da die Umstandskrämerei mit Hilfsverben und Partizipien entfällt. Eine Faustregel heisst so, weil sie manchmal wie die Faust aufs Auge passt. Besser als mit der Faust loszudreschen wäre es, das Übel an der Wurzel zu packen. Den Weg dazu gewiesen hat vor bald hundert Jahren der amerikanische Journalist und Schriftsteller Damon Runyon (1880-1946), der in seinen Kurzgeschichten auf die Vergangenheitsform verzichtete. Er legte sie einem Erzähler in den Mund, der einen kunstvollen und amüsanten Broadway-Gaunerjargon spricht und sich völlig unbekümmert um Orientierungszeitpunkte in seinem Sprecher-Jetzt bewegt. Das funktioniert in seinem amerikanischen Englisch, das als Runyonese Bekanntheit erlangte. Könnte es nicht auch für die deutsche Sprache taugen? Da sei Vorsicht geboten: Nicht jeder, der die Vergangenheitsformen nicht beherrscht, wird dadurch zu einem begnadeten Erzähler wie Damon Runyon. Den Regeln der deutschen Sprache die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken wäre manchmal doch nicht so schlecht.
