In der Zeitung ist zu lesen: «Der Kanton rechnet mit einer Reduktion des motorisierten Verkehrs um satte 12 Prozent.» Um welchen Kanton es sich handelt, tut hier nichts zur Sache. Das Problem ist die Sättigung der Zahlen. Könnten die 12 Prozent allenfalls auch hungrig sein? Es gibt die natürlichen Zahlen, die reellen Zahlen, umfassend die rationalen und die irrationalen Zahlen, nicht zu vergessen die imaginären Zahlen, mit denen die reellen Zahlen zu komplexen Zahlen erweitert werden, womit der durchschnittliche Zeitungsleser wohl schon ziemlich überfordert ist, während der Mathematiker in der Welt der Zahlentheorie weiter vorstösst, bis dort, wo auch für ihn die terra incognita beginnt – und da steht dann ein strahlender Journalist und präsentiert ihm die satte Zahl. Triumph! Satt ist eine Zahl immer dann, wenn sie den Schreibenden dermassen beeindruckt, dass er auch die Leser zum Staunen bringen will. Das vermittelt Emotionen. Das Gegenteil von satten Zahlen sind übrigens nicht die hungrigen Zahlen, sondern die nüchternen. Die sind einfach langweilig.
