In der Zeitung ist zu lesen: «Der Kanton rechnet mit einer Reduktion des motorisierten Verkehrs um satte 12 Prozent.» Um welchen Kanton es sich handelt, tut hier nichts zur Sache. Das Problem ist die Sättigung der Zahlen. Könnten die 12 Prozent allenfalls auch hungrig sein? Es gibt die natürlichen Zahlen, die reellen Zahlen, umfassend die rationalen und die irrationalen Zahlen, nicht zu vergessen die imaginären Zahlen, mit denen die reellen Zahlen zu komplexen Zahlen erweitert werden, womit der durchschnittliche Zeitungsleser wohl schon ziemlich überfordert ist, während der Mathematiker in der Welt der Zahlentheorie weiter vorstösst, bis dort, wo auch für ihn die terra incognita beginnt – und da steht dann ein strahlender Journalist und präsentiert ihm die satte Zahl. Triumph! Satt ist eine Zahl immer dann, wenn sie den Schreibenden dermassen beeindruckt, dass er auch die Leser zum Staunen bringen will. Das vermittelt Emotionen. Das Gegenteil von satten Zahlen sind übrigens nicht die hungrigen Zahlen, sondern die nüchternen. Die sind einfach langweilig.
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Elektronische Identitätskrise
In der Welt der elektronischen Daten verwirren sich die Begriffe. Da ist etwa die Sache mit der virtuellen Realität: ein Widerspruch in sich selbst. Das Virtuelle ist ja eben gerade nicht das Reale. In der Science-Fiction mag das anders sein. Und eben aus einem solchen Roman soll ja der Begriff virtuelle Realität stammen. Die Fiktion hat sich ausgebreitet. Die vorgetäuschte Wirklichkeit nannte man früher Simulation. Der Flugsimulator ist ein Beispiel: Da sitzen reale Piloten in einem realen Cockpit und üben virtuelle Flüge vor einem simulierten Ausblick aus dem Cockpit. Man bittet, das Virtuelle und das Reale schön auseinanderzuhalten, damit ein virtueller Absturz keinen realen Schaden anrichtet. Ans Existenzielle aber geht es, wenn uns eine elektronische Identität verliehen werden soll, was ja nichts anderes als eine virtuelle Identität wäre. Da sollten wir uns wehren. Unsere Identität ruht in uns selbst. Ich bin ich und niemand anders, und das kann auch kein anderer sein. Bezeugt wird das rechtsgültig durch Eintragungen in amtlichen Registern. Aber ein Verzeichnis der Identitäten enthält nicht die Identitäten selbst, weil die ja fest in den Personen etabliert sind. Und nun stellt sich einfach die Frage der Identifikation. Dafür wurde ja früher vor allem die Unterschrift verwendet; aber die ist in der digitalen Welt heruntergekommen, allenfalls bis auf einen nichtsnutzigen Krakel auf einem elektronischen Display. Pass oder Identitätskarte dagegen sind immer noch wichtige Identifikationsmittel geblieben. Aber niemand würde ernsthaft den Pass als seine Papieridentität bezeichnen. Und die ID, sprich die Identitätskarte, ist keine Plastikidentität. Da können nun die Politiker beschliessen, was sie wollen: Eine elektronische Identität können sie uns nicht verpassen. Schön wäre es ja vielleicht, wenn man seine Verpflichtungen der elektronischen Identität überlassen könnte, um persönlich einfach zu verschwinden. Aber da wären wir dann wieder bei der Science-Fiction.
Nachtrag: Erst nach der Veröffentlichung dieses Beitrags ist der Autor darauf gekommen, dass Urs Bühler schon in der NZZ vom 12.06.2017 die «elektronische Identität» glossiert hatte unter dem Titel «Identitätskrise, amtlich verordnet» (Link). Zur Lektüre herzlich empfohlen!
Filmidole am Toiletteneingang
In einem grossen Einkaufszentrum in der Agglomeration Zürich (sein Name sei hier nicht genannt – dieser Blog ist werbefrei) spielen zwei Stars des internationalen Films Rollen, die sie sich nie hätten träumen lassen: Sie sind Türsteher bei den Toiletten. Romy Schneider und Alain Delon, zwar nicht in natura aber als lebensgrosse Konterfeis, weisen dem Publikum, das ein entsprechendes Bedürfnis hat, den Weg zu den sanitären Kommoditäten: Sie den Frauen, er den Männern. Ein Drittes ist nicht vorgesehen. Romy Schneider kann sich gegen diese Aufgabe nicht wehren; sie ist 1982 gestorben. Alain Delon, der noch lebt und Auszeichnungen wie die Goldene Ehrenpalme von Cannes entgegennehmen kann, war vermutlich nicht gefragt worden, ob er die spezielle Würdigung im Einkaufszentrum annehmen wolle. Die Bilder der beiden stammen aus dem 1969 erschienenen Film «La Piscine». Wer nun vermutet, Romy Schneider und Alain Delon würden am Toiletteneingang im Einkaufszentrum in Badekleidern posieren, liegt falsch. Er trägt Anzug und Krawatte (locker gebunden), sie ein Kleid von Courrèges. Bei diesem Modeschöpfer ist übrigens der Bezug zu Toilettenanlagen näher, als man vermuten würde. Als Designer schuf er nämlich auch eine erfolgreiche Serie von Sanitärausstattungen, wie WC-Becken, WC-Sitze mit Deckeln und Waschbecken. Da scheint sich im Einkaufszentrum mit Romy Schneider im Courrèges vor der Toilette fast ein Kreis zu schliessen. Dass es geplant war, ist unwahrscheinlich. Die Keramik vor Ort sieht nicht danach aus.
Was für ein Tier ist das KMU?
«Es steht noch nicht im Brehm. Es steht noch nicht im Meyer. Und auch im Brockhaus nicht.» So schrieb Christian Morgenstern, und er meinte damit das Nasobeem, das man aber nicht unbedingt kennen muss, obwohl es das Schicksal mit dem Kmu teilt, das auch in keinem Lexikon steht. Man darf deshalb das Kmu nicht verwechseln mit dem Gnu, dessen Existenz zoologisch gesichert ist. Das Kmu indessen gibt es gar nicht. Selbst wenn es sich zu voller Grösse erhebt und sich KMU schreibt: als einzelnes Individuum vermag es nicht zu existieren. Ja, die KMU – das ist ganz was andres: Da haben wir es mit einer Abkürzung für «kleine und mittlere Unternehmen» zu tun und nicht etwa mit der weiblichen Form von dem KMU, das es nicht gibt. Wer sagt, er führe ein KMU, der weiss nicht recht, was er tut, selbst wenn es der Verwaltungsdirektor des Klosters Einsiedeln ist, der sich laut einem Zeitungsbericht kürzlich so geäussert haben soll. Der Unternehmer muss sich schon entscheiden, ob er zu den kleinen oder den mittleren gehört, beides zugleich geht nicht. Die grösseren Schweizer Klöster, um bei dieser Branche zu bleiben, dürfen sich wirtschaftlich gesehen wohl durchaus zu den mittleren Unternehmen zählen. Aber bitte nicht abkürzen: Der Abt stehe einem MU vor würde doch etwas läppisch tönen.
Gibt es Inkompetenzzentren?
Was ist eigentlich ein Kompetenzzentrum? Es kann kein blosses Zentrum sein, weil da die Kompetenz mangelte. Wäre solch ein kompetenzloses Zentrum dann ein Inkompetenzzentrum? Im Einkaufszentrum wird eingekauft. Im Stadtzentrum befindet man sich mitten in der Stadt. Da kommt offenbar keine gehäufte Kompetenz vor. Jedenfalls pflegt man nicht von Einkaufskompetenz- oder Stadtkompetenzzentren zu sprechen. Überhaupt heisst es Shoppingcenter und Citycenter. Zum Kompetenzzentrum muss wohl die Zentralkompetenz gehören. Da kommen wir der Sache näher, wenn wir uns auf die kirchliche Ebene begeben: Der Papst ist die Zentralkompetenz der römisch-katholischen Kirche, deren Kompetenzzentrum sich demzufolge im Vatikan befindet. Es gibt daneben viele weitere kirchlichen Zentren, die aber keine Kompetenzzentren sein können, weil die Zentralkompetenz ja in Rom ist. Oder gibt es auch Subkompetenzzentren? Kehren wir zurück auf die weltliche Ebene: Wenn man da beispielsweise vernimmt, dass auf dem Wege der Reform Kompetenzzentren geschaffen werden sollen, so steht die Vermutung im Raum, dass bisher kompetenzlos gearbeitet worden sei. Oder wird einfach die bisher verteilte Kompetenz konzentriert? Was bleibt dann ausserhalb des Zentrums an Kompetenz? Wozu muss überhaupt die Kompetenz hervorgehoben werden? Es würde ja genügen, den Zweck zu benennen, dem das Zentrum dient. Dass die dafür nötige Kompetenz vorhanden sei, wäre durch die Tat zu beweisen und nicht durch einen aufgeblähten Begriff. Wobei die Vermutung nicht von der Hand zu weisen ist, dass es in Politik und Wirtschaft tatsächlich Inkompetenzzentren gibt — nur nennen sie sich natürlich nicht so.
Wie wird man jünger?
Erschienen am 23.04.1993 in der NZZ unter «Nebenbei notiert»
bl. Das Publikum soll jünger werden, wünscht sich der neue Hausregisseur des Schauspielhauses. Da steht man nun, seit vielen Jahren Besucher des Pfauentheaters, und fragt sich, wie man diesem Wunsch begegnen soll. An sich möchte man ja vielleicht ganz gern wieder etwas jünger werden, aber irgendwie scheint es doch der Natur zuwiderzulaufen. Oder bahnen sich da ganz unerwartete Entwicklungen an? Wird demnächst eine Schauspielhauskur dort helfen, wo Ginseng oder Frischzellen versagt haben? Vorderhand traut man der Sache noch nicht so recht und fragt sich eher, ob man eine Erneuerung des Abonnements dem neuen Hausregisseur gegenüber künstlerisch noch verantworten könne, wenn man tief in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts geboren wurde. Man hofft, rechtzeitig vom Schauspielhaus Hinweise auf das ins Auge zu fassende Rücktrittsalter zu erhalten, damit man der Verjüngung des Publikums nicht im Wege steht. Als älteres Publikum hat man ja die fatale Neigung, heutiges Theater zu messen an den Theatererlebnissen, die man in jungen Jahren als jüngeres Publikum hatte. Das ist einem lebendigen Theater nicht förderlich. Dieses aber braucht es, damit auch ein jüngeres Publikum jene starken Theatererlebnisse empfangen kann, durch die es so geprägt wird, dass es später als älteres Publikum wiederum einem jungen Regisseur Anlass geben kann, sich ein jüngeres Publikum zu wünschen.
Äpfel-Birnen-Vergleich
Die Sache mit den Äpfeln und den Birnen ist heikel. Schon in vielen Diskussionen ist ein scheinbar treffendes Argument vom Tisch gewischt worden mit der Bemerkung: «Man kann doch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen!» – Ja, warum denn nicht? Es handelt sich doch bei beiden Früchten um Kernobst, und wieso soll man sich denn nicht fragen dürfen, welche von beiden beispielsweise besser zum Käse passt? Und dem Ernährungsbewussten könnte vielleicht auch der unterschiedliche Mineraliengehalt von Äpfeln und Birnen zu denken geben. Wie kommt man denn damit zurecht, dass der Kalziumgehalt von Birnen doppelt so hoch ist wie der von Äpfeln, während es beim Natrium gerade umgekehrt ist? Gut, es gibt auch Menschen, denen es nur darauf ankommt, wie das aussieht, was der Obsthändler an Kernobst gerade im Tagesangebot hat. Auch das muss erlaubt sein. – Grundsätzlich ist es doch so, dass es keinen Sinn hat, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen. Man möchte ja beim Vergleichen die Unterschiede herausfinden. Wenn die aber allzu gross sind, verliert das Ergebnis an Relevanz. Man kann beispielsweise auch ein Smartphone und ein Ei vergleichen: Das eine ist essbar, das andere nicht (ein wesentlicher Unterschied), es passen nicht beide gleich gut in die Westentasche, und das Smartphone hat einen Akku, während dem Ei die Energie extern zugeführt wird, beispielsweise durch einen Eierkocher. Aber diese Vergleiche bringen ja nichts, weil jemand von vornherein nicht zum Eierhändler geht, wenn er ein Smartphone kaufen will. Auf dem Obstmarkt jedoch sollte für den wertebewussten Konsumenten schon ein gründlicher Vergleich die Grundlage des Kaufentscheides für Äpfel oder Birnen sein. Keinesfalls aber sollte man Äpfel mit Birnen verwechseln. Übrigens: Wer gar kein Kernobst mag, kann ja Zwetschgen und Pflaumen vergleichen.
«Nebelspalter» und andere Trouvaillen in E-Periodica
Wer erinnert sich noch an den Namen Adolfine Pfleiderer? So hiess die aus Pfullendorf (Südweststaat) gebürtige Frau Finette Wanzenried-Pfleiderer vor ihrer Verehelichung mit einem Basler Immobilienspekulanten. Man muss sie nicht kennen. Sie war nur eine fiktive Figur des Basler Autors Hanns U. Christen in seinen Beiträgen im legendären «Nebelspalter», wo sie in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts anzutreffen war. Aber ich bin letzthin wieder auf sie gestossen, weil etwas in meiner Erinnerung anklang, als mir der Name der nicht fiktiven Stadt Pfullendorf (Baden-Württemberg) begegnete. Nur Google konnte mir helfen, führte mich stracks zur Online-Plattform E-Periodica der ETH-Bibliothek, und dort auf einen einschlägigen Text in einer «Nebelspalter»-Ausgabe aus dem Jahre 1973. Dies nur als Einstieg zu dem eigentlichen Anliegen dieses Textes, nämlich hinzuweisen auf die unglaubliche Fülle von schweizerischen Zeitschriften, die in diesem elektronischen Archiv zu finden sind unter www.e-periodica.ch. Die Navigation auf dieser Webseite ist vorbildlich einfach gestaltet, und wie die Suche funktioniert, hat man rasch herausgefunden. Satirische Zeitschriften gehören nicht zum Kernangebot einer Hochschulbibliothek, aber der Fokus der Sammlung ist im Laufe des Ausbaus vom rein wissenschaftlichen auf ein breiteres Spektrum erweitert worden. Es erstreckt sich von Archäologie bis Zivilschutz, Frauenbestrebungen und Freidenker finden sich in alphabetischer Nachbarschaft, und aktuell von besonderem Interesse könnte es sein, was vor 120 Jahren in der ersten Ausgabe des Schweizer Sportblattes den schweizerischen Fussballern mitgeteilt wurde. Ich könnte mich in Beispielen von trefflichen Funden verlieren, die alle online abrufbar sind. Aber der geschätzte Leser klicke sich doch selbst ein zur anregenden Suche auf www.e-periodica.ch. Um die Geschichte abzurunden ist aber nochmals auf Frau Finette Wanzenried-Pfleiderer zurückzukommen. Im «Nebelspalter» aus dem Jahre 1973, Heft 35/36, wird die damalige Diskussion über die Landeshymne unter dem Titel «Die Fahne hoch im Morgenrot!» beleuchtet und eine neue Hymne mit Text aus Finettes eigener Feder präsentiert. Der Vorschlag hat sich nicht durchgesetzt.
Die Facility-Manager kommen
Erschienen am 21.6.1999 in der NZZ unter «Nebenbei notiert»
bl. In der Schweizer Wirtschaft zeichne sich eine starke Nachfrage nach Facility-Managern ab, und deshalb werde erstmals im Rahmen des neuen Fachhochschul-Studienganges Ökotrophologie eine entsprechende Ausbildung angeboten, entnehmen wir einer Presse-Einladung. Aha. Was ist denn Ökotrophologie? Es ist eine offenbar in Deutschland geschaffene Bezeichnung für Ernährungs- und Haushaltswissenschaften; man kann dort an verschiedenen Fachhochschulen bereits den Titel Dipl. oec. troph. (FH) erwerben. Es scheint ein lustiges Studium zu sein, wenigstens nach den Internet-Seiten zu urteilen, mit denen der Fachbereich präsentiert wird: Die Fachhochschule Münster illustriert das mit Pieter Breughels Bauernhochzeit, die Fachhochschule Anhalt hält eine Wilhelm-Busch-Zeichnung bereit, mit Witwe Bolte, die gerade im Keller Sauerkohl holt, während Max und Moritz auf dem Dach durch das Kamin nach den brutzelnden Hühnern angeln. Es dürfte sich lohnen, diese Situation auch einmal ökotrophologisch aufzuarbeiten. Aber damit ist uns der Facility-Manager ja noch nicht nähergebracht. Mit unserem Englisch, das wir eben nicht in der Primarschule gelernt haben, stehen wir am Berg: Der Ausdruck facility ist ein Sammelbegriff (soweit er nicht in der engeren Bedeutung von Leichtigkeit angewendet wird) für Einrichtungen, Anlagen, Systeme, Bauten, Institutionen, Dienstleistungen, kurz Dinge, die irgendwie einem bestimmten Zweck dienen, nützlich oder hilfreich sind. Also werden die Facility Manager wohl schon etwas Nützliches in Schwung halten. Eine Autovermietung kann zu den facilities zählen, eine Schuhputzmaschine auch, so gut wie eine Bibliothek, ein Coiffeursalon, ein Faxgerät, eine Fachhochschule oder ein Kindergarten. An manchen Orten werden auch die gewissen Örtchen schamhaft als facilities bezeichnet – aber nur in englischsprachigen Ländern, in denen Ökotrophologie ein unbekannter Begriff ist und folglich auch kein Dipl. oec. troph. das Management übernehmen kann. Somit ist immer noch nicht klar, was denn eigentlich ein Facility-Manager genau zu tun hat. Aber schliesslich gibt es ja eine Maintenance and Facility-Management Society of Switzerland, die bis vor kurzem noch Schweizerischer Verein für Instandhaltung hiess. Sie hat das Ziel, «das Fachwissen der Instandhaltung von Anlagen (Bauten, Betriebsmittel, Produktionsmittel, Infrastruktur, usw.) zu fördern». Jetzt ist uns alles klar – bis auf den Unterschied zwischen Maintenance und Facility-Management. Aber der wird einem altmodischen Redaktor, der es noch nicht einmal bis zum Print Media Document Manager gebracht hat, wohl immer verborgen bleiben.
Quadratur des Kreises
Wenn die Politiker wieder einmal so lange im Kreise herum diskutiert haben, bis das Problem nicht gelöst ist, dann kommt häufig das Fazit, dass die Aufgabe eben der Quadratur des Kreises gleichkomme. Und die ist in der reinen Theorie beziehungsweise mit Zirkel und Lineal nicht lösbar. Aber da sich Politiker nicht in der dünnen Luft der reinen Theorie bewegen sondern auf dem Boden der Praxis ihre Aufgaben erfüllen sollten, brauchen sie doch vor der Quadratur des Kreises nicht aufzugeben. Die ist nämlich für den praktischen Gebrauch längst gelöst, wenn auch nur näherungsweise. Oder haben Politiker noch nie etwas von der Kreiszahl Pi gehört, mit deren Hilfe man aus dem Radius des Kreises das flächengleiche Quadrat errechnen kann? Das erledigt heute jedes Handy mit hinreichender Genauigkeit. Sicher, es bleibt immer ein minimer Rundungsfehler; aber wer erwartet denn schon von der Politik restlose Perfektion? Wenn die Politiker also angeblich mit der Quadratur des Kreises nicht zurechtkommen, so besteht das Problem eben meistens darin, dass sie sich nicht einigen können, ob sie einen Kreis oder ein Quadrat wollen. Und da hilft auch die Kreiszahl Pi nicht.
