Spass mit dem Heiligen Geist

Sich mit dem Heiligen Geist zu befassen ist an Pfingsten das Gebot des Tages. Schliesslich erinnert dieser Feiertag an das biblische Ereignis, da unter gewaltigem Brausen und mit Feuerzungen der Heilige Geist über die Apostel kam. Auch die evangelisch-reformierte Zeitung «reformiert.» (der Punkt ist obligatorisch) lässt Pfingsten nicht einfach so an sich vorbeiziehen. Sie widmet dem Heiligen Geist sogar die Titelseite, und wie! Nämlich munter, spassig und auch etwas besinnlich. Man liest von den «Steilpässen des Heiligen Geistes»; damit «liefert die Geisteskraft geniale Zuspiele in den freien Raum». Dass Dumme ist nur, dass sich dort keine Hersteller von Wäschespinnen befinden, die angeblich solche Zuspiele besonders nötig hätten. Bitte: Wer das für Geblödel hält, nehme die Juni-Ausgabe von «reformiert.» (mit Punkt) zur Hand; dort ist es zu finden. Da wird auch der FC Religionen erwähnt, für den Pfarrer, Rabbiner, Imame und weitere Vertreter der Weltreligionen Christentum, Judentum, Islam und Hinduismus kicken. Die Religionsfussballer, das sei hier ergänzt, haben schon den FC Gemeinderat, den FC Kantonsrat und den FC Nationalrat mit Kantersiegen bezwungen, offenbar mit den Steilpässen des Heiligen Geistes – etwa aus dem hinduistischen Hinterhalt, wo ihn der Gegner nicht vermutete? Von welchem guten Geist aber die Parlamentarier verlassen waren, bleibt wie immer eine offene Frage. Doch wir schweifen ab vom Thema, zu dem ja auch die Wäschespinne gehört. Da beschreibt eine Redaktorin von «reformiert.» (mit Punkt) ihren Ärger darüber, dass ein Hersteller von Wäschespinnen für eines seiner Geräte die Produktbezeichnung «First Lady» gewählt hat. Das klinge, meint sie, als sei es die edelste Aufgabe der Frau, Wäsche aufzuhängen, und es zeige, dass in der Gesellschaft immer noch ein Denken herumschwirre, das den Geschlechtern bestimmte Lebensbereiche zuordne. Darum wünschte sich die Autorin den Heiligen Geist oder noch besser die «Heilige Geistin» herbei, damit er/sie die festgefahrenen Kategorien in unseren Köpfen sprenge. Womit der Heilige Geist von einer unfassbaren Macht auf einen Kleingeist reduziert wird, der gendergerecht zu handhaben ist. Gott erbarme sich seiner. Zu trösten vermag uns da zum Schluss allenfalls die hübsche Legende von den Rosen, denen zu Pfingsten die Dornen genommen wurden, so dass sie zu Pfingstrosen wurden. Das gilt aber nur im deutschen Sprachraum. In andern Sprachen hat die Bezeichnung der Päonien keinen Bezug zum Namen der Rose.

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