Superstars der Pandemie

«Denn eben wo Begriffe fehlen, das stellt zur rechten Zeit ein Wort sich ein», sagt Mephisto in Goethes «Faust». (Hm? Goethe? Faust? – Siehe Wikipedia!) Heute müsste es heissen: «Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein englisch Wort sich alsbald ein.» Aber die Begriffe müssen gar nicht fehlen, das englische Wort stellt sich ohnehin ein, drängt sich auf und ist nicht mehr wegzubringen, selbst wenn sein Gebrauch so unsinnig ist wie «Superspreader», womit neuerdings Leute ausgezeichnet werden, die mehrfach Viren verbreiten. Als das Wort bei uns erstmals in den Medien auftauchte, bemühte man sich immerhin noch, dem Leser zu erklären, dass Spreader Verbreiter bedeute. Man hätte es also auch deutsch sagen können. Aber was ist denn an einem Virenverbreiter super? Gemäss Duden steht «super» für «sehr gut, grossartig, hervorragend» (und «Super» ist die Kurzform von «Superbenzin»). Laut englischen Wörterbüchern bedeutet «super» umgangssprachlich beispielweise «very good, excellent, especially, particularly».  Es steckt also immer ein besonderes Werturteil dahinter. Superspreader – Superman? Haben wir jetzt dann Superstars einer neuen Infektionswelle? Werden die einmal aufgeführt in einer Bestenliste, so wie Superstars des Fussballs in der Liste der besten Torschützen? Aber eigentlich ist «Superspreader» nur ein fachsprachlicher Irrtum, nämlich eine Verwechslung mit «Hyperspreader». Und die Medien mit ihrer Sucht nach Superlativen sind dafür dankbar.

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