Bergbau und Prostituierte

Leicht beeinander wohnen im Internet die Dinge: Man sucht das eine und findet dieses und jenes. So ist es auch zu diesem Text gekommen. Eigentlich ging es darum, mehr zu erfahren über das Katastrophengebiet in der norwegischen Gemeinde Gjerdrum, wo die Erde wegsackte unter einem Wohngebiet und die Häuser verschwanden im Untergrund, der aus Fliesston (englisch Quick Clay) bestand, einem Lehm, der sich unter Belastung verflüssigen kann. Die Zeitungen berichten über die schwierigen Rettungsarbeiten und die Anteilnahme der Königsfamilie; zu den Ursachen wird vor allem ein norwegischer Experte zitiert, der gesagt haben soll, der Erdrutsch könnte auf natürliche Art oder durch den Bergbau ausgelöst worden sein. Die Suche im Internet ergibt, dass die problematische Bodenbeschaffenheit im Katastrophengebiet bekannt war. Hingegen findet sich kein Hinweis darauf, dass Bergbau betrieben würde in der Region, zu der Gjerdrum gehört. Wie also kam der zitierte Experte dazu, von möglichen Folgen des Bergbaus zu sprechen? Er äusserte sich wohl mehr so allgemein darüber, was theoretisch in Zusammenhang mit Fliesston zu bedenken wäre. Ein Experte muss ja etwas von seinen Kenntnissen kundtun, auch wenn er konkret nichts sagen kann. Für die Gerüchte sorgen dann die Medien. Doch das Thema Bergbau kann hier als erledigt betrachtet werden. Und Prostituierte haben ohnehin nichts mit der Sache zu tun. Sie werden nur hineingezogen, wenn Google den norwegischen Text einer Website über Gjermund ins Deutsche übersetzt. Da kann man dann lesen, welcher Prostituierten die Gemeinde zugehört. Gemäss Google-Übersetzung scheinen in der norwegischen Kirche die Prostituierten eine besondere Bedeutung zu haben – die Prosti, heisst es auf Norwegisch und bedeutet etwa soviel wie Kirchenkreise. Das Wort ist sprachlich verwandt mit Propstei im Deutschen. Aber das andere liegt lautlich näher. Honi soit qui mal y pense! Jedenfalls denkt sich der übersetzende Algorithmus nichts dabei, wenn er der norwegischen Kirche Prostituierte beschert.

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