Es gibt Ratschläge fürs Leben, die man nicht in den Wind schlagen sollte. Hier etwas Bedenkenswertes aus der NZZ:
«Hat man die Auster im Mund, so dreht man sie mehrmals mit der Zunge herum und drückt sie behutsam an den Gaumen, wie um sie dem Gehirn möglichst nahe zu bringen, denn man behauptet, dass die kostbare Ausströmung der Auster das Hirn augenblicklich erreicht und ihm Kraft, Lebhaftigkeit und Fähigkeit verleihe. Dann löst man mit der Zunge den Magen der Auster von ihren andern Körperteilen – denn dieser scheinbar so einfache Organismus hat einen Magen – und verschluckt ihn als erstes ohne ihn zu kauen. Den übrigen Körper zerkaut man, allerdings nur ganz leicht, vor dem Schlucken. Hierauf hebt man die Schale und saugt den letzten Tropfen daraus.»
Das ist allerdings nicht aus dem redaktionellen Teil der NZZ, sondern von einem Inserat in der Morgenausgabe des 26. November 1952, mit dem eine bekannte Restaurantgruppe ihre lebendfrisch aus Limfjord eingetroffenen Austern empfahl. Gewährsmann für den richtigen Zungendreh war dabei der amerikanische Gastro- und Gesellschaftsjournalist Iles Brody. Die Zürcher mussten da noch etwas üben. Für einfachere Gemüter fand sich auf der gleichen Zeitungsseite übrigens eine Anzeige mit dem Ratschlag: «Quäle nie ein Tier zum Scherz, trink lieber ein Rivella.»
