Endlich mehr digitale Werbung

In der Stadt Zürich wird das Publikum demnächst im Zeichen von Smart City durch mehr Werbung auf dem öffentlichen Grund zusätzlich erleuchtet werden. Der Stadtrat hat dazu die Konzession für 30 digitale Werbeanlagen erteilt. Diese treten als leuchtende Werbeflächen in Erscheinung, und dass die Technik dahinter digital ist, spielt für die Wirkung auf das Stadtbild eigentlich keine Rolle.

Eine der ersten digitalen Werbeanlagen in der Stadt Zürich fand nicht ungeteilten Beifall. Gegen den Eingriff in das Stadt- und Strassenbild wurden etwa im Gemeinderat Bedenken geäussert. Diese Art der Reklame schaffe ein weiteres Element der Beunruhigung, der Nervosität und der Ablenkung für unsere Strassenbenützer, rügte ein Interpellant, und er meinte, es sollten keine weiteren derartigen Reklamen bewilligt werden, da sie das nächtliche Bild unserer Stadt im ungünstigen Sinne veränderten, und überhaupt bestehe in Zürich kein Bedürfnis dafür. Zur Klarstellung: Dieser Vorstoss wurde 1956 eingereicht, und er richtete sich gegen die neue Leuchtwanderschrift an der Dachkante des ehemaligen Hotels Habis Royal am Bahnhofplatz. Von einer digitalen Werbeanlage war damals allerdings nicht die Rede, obwohl da durchaus schon digitale Technik eingesetzt wurde. Doch nicht deshalb sprach der Interpellant im Gemeinderat von einem Schandfleck, sondern weil er es nicht auszuhalten vermochte: «Lesen Sie einige Zeit diese Leuchtwanderschrift, und Sie sind benommen!» Trotz seiner Benommenheit liess er sich aber besänftigen durch die Antwort des Stadtrates, dass nach der Ablehnung einer Leuchtwanderschrift am Bellevue nun hier eine Bewilligung erteilt worden sei, da am Bahnhofplatz keinerlei kulturhistorische oder städtebauliche Nachteile zu erwarten seien; im übrigen sei dies als Versuch zu betrachten, der vorläufig nicht wiederholt werden solle. Der Versuch dauerte drei Jahrzehnte, bis ihm der Abbruch des Habis Royal ein Ende setzte. Während dieser Zeit flimmerten jeweils vom Eindunkeln bis Mitternacht über das 15 Meter lange und 1 Meter hohe Panel mit 840 Glühbirnen Kürzestnachrichten, Sportmeldungen, Werbung und unterhaltende Sprüche, wie die NZZ berichtete. Gelegentlich habe der Betrieb auch unterbrochen werden müssen, wenn die Leser dem Verkehr den Weg versperrten, so etwa am Abend des 22. November 1963, als die Schreckensnachricht vom Mord an John F. Kennedy vom Habis-Royal-Haus abzulesen war, noch bevor Radio Beromünster sie verbreitete, und die fassungslosen Leute sich auf dem Bahnhofplatz zusammenscharten.

Nun aber, mehr als dreissig Jahre nach dem Ende der Leuchtwanderschrift, soll es in Zürich richtig losgehen mit digitaler Werbung auf öffentlichen Plätzen – nicht auf Dächern, sondern bodenständig und jedenfalls dort, wo mit der Aufmerksamkeit von möglichst vielen Fussgängern gerechnet werden darf. Bisher ist von einer politischen Gegnerschaft nichts bekannt geworden; schliesslich soll das der Stadt ja Einnahmen von 4,5 Millionen Franken im Jahr verschaffen und ungeachtet des Stromverbrauchs mit der 2000-Watt-Gesellschaft kompatibel sein.

Brückenrätsel

Die Geschichte ist nicht ganz neu, aber sie ist immer noch eine hübsche Anekdote. Es geht dabei um die Brunibrücke. Wer nicht weiss, wo sich diese befindet, muss sich deswegen keine Gedanken machen. Aber solche machte sich der Abendredaktor in der Zeitung, als eine Polizeimeldung über einen tödlichen Unfall bei der Brunibrücke an der Töss in Winterthur eintraf. Er hätte gerne eine präzisere Ortsangabe gehabt, denn die Töss schlängelt sich doch in beträchtlicher Länge von Sennhof im Osten bis zur Tössallmend im Westen durch die Stadt Winterthur und um sie herum. Ein Anruf bei der Stadtpolizei Winterthur sollte Klarheit bringen. Aber das war falsch. Verfehlt war vor allem, die Frage nach der Brunibrücke mit dem Hinweis auf die Unfallmeldung zu verbinden. Denn der Diensthabende erklärte, dazu könne er nichts sagen, da die Kantonspolizei für den Fall zuständig sei. Der Redaktor versicherte, dass er gar keine Fragen zum Unfall stellen wolle, sondern nur eine Auskunft über die Örtlichkeit wünsche, da doch anzunehmen sei, dass man bei der Stadtpolizei Winterthur wisse, wo sich die Brunibrücke befinde. ‒ Ja natürlich wisse man das, aber es handle sich jetzt eben um einen Fall der Kantonspolizei. – Wenn also dort kein Unfall passiert wäre, könnte er dann den Standort der Brunibrücke verraten? – Ja sicher, aber jetzt sei es eben eine Unfallsache und man solle sich doch an die Kantonspolizei wenden. Freundlicherweise nannte der Stadtpolizist dann sogar die Telefonnummer der zuständigen Stelle. Dort war man ohne Weiteres zur Auskunft bereit. Nur kannte der auskunftswillige Kantonspolizist die Brunibrücke nicht. Er meinte zwar, bei Sennhof, wo die Strasse nach Kyburg die Töss kreuze, habe es doch «so ä bruni Brugg», das müsse sie wohl sein. Von einer anderen gedeckten Holzbrücke über die Töss, die der Redaktor erwähnte, wisse er nichts. So kam die Unfallmeldung eben ohne nähere Verortung der Brunibrücke in die Zeitung. Spätere Erkundigungen ergaben dann, dass es sich bei dieser nicht um die namenlose Brücke der Strasse von Sennhof nach Kyburg handelt, sondern um die weiter flussabwärts gelegene gedeckte Holzbrücke, die etwa 800 Meter oberhalb der Sportanlagen des Reitplatzes die Töss überquert. Brunibrücke heisst sie übrigens, weil sie 1839 im Bruni, einem Gebiet bei Pfungen, als Verbindung nach Neftenbach erbaut worden war; von dort wurde sie 1974 verschoben an den heutigen Standort. Heutzutage lässt sie sich auch auf den verschiedenen Kartenwerken im Internet finden ‒ nur nicht mit der Suche nach „Brunibrücke“. Die Kartografen mit ihrer Neigung zum Mundartlichen nennen sie eben „Brunibrugg“, und in der Nähe befindet sich nicht der Reitplatz, sondern der „Ritplatz“ ‒ wobei uns „Riitplatz“ besser gefiele.

Nach Zürchern suchen

Die Zürcher an sich sind immer wieder einmal Gegenstand vertiefter Betrachtungen in den Medien – beispielsweise aus Anlass der Verlegung eines Radiostudios von Bern nach Zürich. Also machen wir uns auf die Suche nach dem typischen Exemplar. Das ist in der Realität gar nicht so einfach. Die Zürcher sind in der Stadt Zürich nämlich in der Minderheit. Man muss das einmal klar und deutlich sagen. Es ist auch statistisch belegt: Von 425 682 Einwohnern der Stadt Zürich, die im Statistischen Jahrbuch für das Jahr 2016 ausgewiesen werden, waren 146 251 im Kanton Zürich heimatberechtigt, davon 111 238 in der Stadt Zürich. Aber das Gewimmel und Gedränge von Menschen auf der Strasse und in den öffentlichen Verkehrsmitteln wird ja nicht nur von Angehörigen der ständigen Wohnbevölkerung verursacht, sondern auch von Touristen, Arbeitspendlern und anderweitigen Besuchern der Stadt. Ausserdem ist in Betracht zu ziehen, dass von den Stadtbürgern eine nicht ganz unbedeutende Zahl eingebürgerte Zugezogene sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass man beispielsweise im Kino einen Sitz neben einem waschechten Zürcher erhält, ist also gar nicht so gross. Vielleicht müsste man das Augenmerk auf die Repräsentanten der Stadt richten, also beispielsweise auf die Stadtoberhäupter. Die amtierende Stadtpräsidentin kommt aus dem Aargau, ihre beiden Vorgänger waren ein St. Galler und ein Luzerner. Es ist bald drei Jahrzehnte her, seit das Stadtpräsidium in den Händen eines gebürtigen Stadtzürchers lag. Doch schon Zwingli war ja ein Zugezogener. Von den Mitgliedern des Zürcher Regierungsrates können wir absehen; die sind ohnehin nur ausnahmsweise stadtzürcherischer Herkunft. Oder nehmen wir die Exponenten der Zürcher Wissenschaft: Der erste Rektor der Universität Zürich war der Deutsche Lorenz Oken, der amtierende Rektor stammt aus St. Gallen und ist schweizerisch-kanadischer Doppelbürger. Aber es gab dazwischen selbstverständlich auch immer wieder einmal einen Zürcher an der Spitze der Alma Mater Turicensis. Alles in allem ist jedoch die Trefferquote bei der Suche nach echten Zürchern unbefriedigend. Aber wen stört das?

In die Luft nach oben gesprochen

Die Stabhochspringerin hat noch Luft nach oben. Einer Firma, die wieder auf Kurs kommen muss, geht es gleich. Auch die Fussball-Nationalmannschaft, eine Kantonalbank und ein Theaterfestival haben noch Luft nach oben, und nicht zu vergessen der Handel mit Indien und Europas Aktien. Überall Luft nach oben ‒ es war in der Zeitung zu lesen. Eigentlich ist es ja normal und gar nicht erwähnenswert, dass nach oben Luft ist. Eine Stabhochspringerin kümmert sich eher darum, wieviel Luft sie unter sich bringt. Die Fussballer hingegen sollten nicht den Boden unter den Füssen verlieren; doch selbst beim Hallenfussball müssen sie sich kaum Gedanken machen, dass die Luft nach oben begrenzt ist: einfach den Ball flach halten! Eine Firma hat sicher keine Luft mehr nach oben, wenn sie beerdigt ist, um es bildhaft zu sagen, aber das ist keine erwünschte Zielsetzung. Schwieriger zu beurteilen ist der Fall einer Kantonalbank: Bei welchen luftigen Geschäften ist die Luft nach oben von Bedeutung? Was das Theaterfestival betrifft, so lassen wir es einfach dort in der Luft wo es will, weil gängige Konventionen im Theater ohnehin in Frage gestellt werden. Für den Handel mit Indien indessen, soweit er per Luftfracht abgewickelt wird, gilt es auch auf genügend Luft nach unten zu achten. Bei Europas Aktien allerdings kann die Luft nach oben knapp werden, wenn sie in zu engen Tresoren gestapelt werden. Manchmal kann ein Bild ja auch anschaulich sein ‒ und dennoch falsch.

Gibt es Inkompetenzzentren?

Was ist eigentlich ein Kompetenzzentrum? Es kann kein blosses Zentrum sein, weil da die Kompetenz mangelte. Wäre solch ein kompetenzloses Zentrum dann ein Inkompetenzzentrum? Im Einkaufszentrum wird eingekauft. Im Stadtzentrum befindet man sich mitten in der Stadt. Da kommt offenbar keine gehäufte Kompetenz vor. Jedenfalls pflegt man nicht von Einkaufskompetenz- oder Stadtkompetenzzentren zu sprechen. Überhaupt heisst es Shoppingcenter und Citycenter. Zum Kompetenzzentrum muss wohl die Zentralkompetenz gehören. Da kommen wir der Sache näher, wenn wir uns auf die kirchliche Ebene begeben: Der Papst ist die Zentralkompetenz der römisch-katholischen Kirche, deren Kompetenzzentrum sich demzufolge im Vatikan befindet. Es gibt daneben viele weitere kirchlichen Zentren, die aber keine Kompetenzzentren sein können, weil die Zentralkompetenz ja in Rom ist. Oder gibt es auch Subkompetenzzentren? Kehren wir zurück auf die weltliche Ebene: Wenn man da beispielsweise vernimmt, dass auf dem Wege der Reform Kompetenzzentren geschaffen werden sollen, so steht die Vermutung im Raum, dass bisher kompetenzlos gearbeitet worden sei. Oder wird einfach die bisher verteilte Kompetenz konzentriert? Was bleibt dann ausserhalb des Zentrums an Kompetenz? Wozu muss überhaupt die Kompetenz hervorgehoben werden? Es würde ja genügen, den Zweck zu benennen, dem das Zentrum dient. Dass die dafür nötige Kompetenz vorhanden sei, wäre durch die Tat zu beweisen und nicht durch einen aufgeblähten Begriff.  Wobei die Vermutung nicht von der Hand zu weisen ist, dass es in Politik und Wirtschaft tatsächlich Inkompetenzzentren gibt — nur nennen sie sich natürlich nicht so.

Weltkatze und Stützpunktfeuer

Ein Elektronik-Onlinehändler empfiehlt seine Rabattaktion zum Weltkatzentag. Der Katzenfreund/die Katzenfreundin werden schon wissen, was aus diesem Angebot ihrem Tier zusagen könnte. Ich, eine Existenz ohne Katze im Haus, kann mich da weniger gut einfühlen. Vor allem weiss ich nicht, was eine Weltkatze ist. Es tönt irgendwie apokalyptisch. Oder sind einfach die Katzen der Welt gemeint? Wer offeriert also Rabatt für den Katzenwelttag? Das Stützpunktfeuer scheint nun hier an den Haaren herbeigezogen, um nicht zu sagen am Katzenschwanz. Doch es ist sprachlich mit der Weltkatze verwandt. Jedesmal, wenn ich in der stolzen Agglomerationsgemeinde am stattlichen Gebäude mit der unübersehbaren Aufschrift «Stützpunktfeuerwehr» vorbeikomme, denke ich an Einsatzkräfte, die ausrücken, um Brände an Stützpunkten unter Kontrolle zu bringen. Dieser Satz ist vielleicht zu lang, um bei der Feuerwehr auf Verständnis zu stossen. Aber das stattliche Gebäude wäre wohl auch mit «Feuerwehrstützpunkt» ordentlich beschriftet. Es ist mir aber alles recht, sofern nur die gute alte Bezeichnung «Feuerwehr» erhalten bleibt und nicht anglifiziert wird. Es droht ja ständig die  Gefahr, dass bodenständige Bezeichnungen im angeblichen Interesse einer modernen Corporate Identity ersetzt werden und dann nur noch als Abkürzungen zu gebrauchen sind. Dem möge die Feuerwehr mit vereinten Einsatzkräften entgegentreten.

Verpasster Welttag

Jetzt habe ich doch tatsächlich den Welttag der Emojis verpasst. Die Ausrede, ich hätte mich eben voll und ganz dem auf das gleiche Datum angesetzten Welttag der internationalen Justiz gewidmet, wäre so sehr übertrieben, dass man es geradezu als gelogen bezeichnen könnte. Die Wahrheit ist, dass ich einfach zu spät etwas vom Emojis-Aktionstag erfahren habe, so wie mir auch am Vortag der Welttag der Schlangen entgangen ist, was vielleicht verzeihlich ist, weil wir ja gegenwärtig in der Schweiz das Jahr des Hermelins begehen. Ich weiss nicht, wie sich Hermeline und Schlangen vertragen, aber man sollte das Hermelin nicht unterschätzen. Sowohl Schlangen, Hermeline und Justiz sind übrigens nicht allgemein als Emojis verfügbar. Denn es gibt die Emoji-Welten von Apple und Google für die jeweiligen iOS- oder Android-Versionen, von WhatsApp, Twitter und so fort, und Windows ist ohnehin ein Sonderfall. Da drängt sich ja ein Welttag zur Förderung der Verständigung geradezu auf.
Die Wahrheit aber ist, dass ich ein Emoji-Muffel bin. Die richtige Form des verbalen Ausdrucks zu finden ist mir Herausforderung genug. Ich schaffe das ganz ordentlich mit dem Alphabet der deutschen Sprache, bestehend aus zweimal 29 Zeichen (Gross- und Kleinbuchstaben, Umlaute inbegriffen) und einigen Satz- und Sonderzeichen. Die Sprache der Emojis aber umfasst Hunderte von Symbolen, und es werden in regelmässigen Abständen Dutzende hinzugefügt. Und nun geht es ja nicht an, seinen Text so einfach nach Lust und Laune anzureichern mit einem Emoji, das man lustig findet. Denn da könnte man bös ins Fettnäpfchen treten, wenn man etwa einen abgewandelten Smiley mit nach links herunterhängender Zunge verwendet, wo einer mit der Zunge rechts am Platz wäre. Fachleute weisen darauf hin, dass sehr viele Emojis falsch eingesetzt werden. Da soll ja beispielsweise die frontal präsentierte Faust teils als Freundschaftsangebot, teils als Kampfansage gedeutet werden können. Wem soll man da noch trauen? Es ist jedenfalls davon abzuraten, seinem Korrespondenzpartner ein Emoji an den Kopf zu werfen, ohne zu bedenken, dass er alsbald den Rechtsweg beschreiten könnte. Und es gibt diese Finger-Emojis, wo die Verwechslung eines Zeigefingers mit einem Mittelfinger infolge eines Tippfehlers Anlass zu öffentlichen Unruhen und Gewaltausbrüchen grösseren Umfanges werden könnte. Das Thema Emojis und Religiosität wäre ein weites Feld, zu weit, um hier darauf einzugehen. Und last but not least ist da das Problem mit den sexistischen Emojis, das unvermeidlich ist, weil der Sexismus ja überall lauert. Für einen Welttag der Emojis fehlt es also nicht an brennenden Themen. Aber ohne mich. 😶

«Nebelspalter» und andere Trouvaillen in E-Periodica

Wer erinnert sich noch an den Namen Adolfine Pfleiderer? So hiess die aus Pfullendorf (Südweststaat) gebürtige Frau Finette Wanzenried-Pfleiderer vor ihrer Verehelichung mit einem Basler Immobilienspekulanten. Man muss sie nicht kennen. Sie war nur eine fiktive Figur des Basler Autors Hanns U. Christen in seinen Beiträgen im legendären «Nebelspalter», wo sie in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts anzutreffen war. Aber ich bin letzthin wieder auf sie gestossen, weil etwas in meiner Erinnerung anklang, als mir der Name der nicht fiktiven Stadt Pfullendorf (Baden-Württemberg) begegnete. Nur Google konnte mir helfen, führte mich stracks zur Online-Plattform E-Periodica der ETH-Bibliothek, und dort auf einen einschlägigen Text in einer «Nebelspalter»-Ausgabe aus dem Jahre 1973. Dies nur als Einstieg zu dem eigentlichen Anliegen dieses Textes, nämlich hinzuweisen auf die unglaubliche Fülle von schweizerischen Zeitschriften, die in diesem elektronischen Archiv zu finden sind unter www.e-periodica.ch. Die Navigation auf dieser Webseite ist vorbildlich einfach gestaltet, und wie die Suche funktioniert, hat man rasch herausgefunden. Satirische Zeitschriften gehören nicht zum Kernangebot einer Hochschulbibliothek, aber der Fokus der Sammlung ist im Laufe des Ausbaus vom rein wissenschaftlichen auf ein breiteres Spektrum erweitert worden. Es erstreckt sich von Archäologie bis Zivilschutz, Frauenbestrebungen und Freidenker finden sich in alphabetischer Nachbarschaft, und aktuell von besonderem Interesse könnte es sein, was vor 120 Jahren in der ersten Ausgabe des Schweizer Sportblattes den schweizerischen Fussballern mitgeteilt wurde. Ich könnte mich in Beispielen von trefflichen Funden verlieren, die alle online abrufbar sind. Aber der geschätzte Leser klicke sich doch selbst ein zur anregenden Suche auf www.e-periodica.ch. Um die Geschichte abzurunden ist aber nochmals auf Frau Finette Wanzenried-Pfleiderer zurückzukommen. Im «Nebelspalter» aus dem Jahre 1973, Heft 35/36, wird die damalige Diskussion über die Landeshymne unter dem Titel «Die Fahne hoch im Morgenrot!» beleuchtet und eine neue Hymne mit Text aus Finettes eigener Feder präsentiert. Der Vorschlag hat sich nicht durchgesetzt.

Wer ist eigentlich der Vordermann?

Die Werft der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) ist ein besonderer Ort: Hier werden, wie ich in der Zeitung lese, «die klassischen Raddampfer auf Vordermann gebracht». Wer ist denn der Vordermann eines Raddampfers? Doch nicht etwa der Kapitän? – Nein, Raddampfer haben keine Vordermänner. Die Metapher kommt aus der Welt des Militärs: Wenn die Truppe in Reih‘ und Glied dasteht, ist es wichtig, dass jeder Mann in der hinteren Reihe auf den Vordermann in der vorderen Reihe ausgerichtet ist. Sonst ist das ja ein ungeordneter Haufen. Und wenn einer aus der Reihe tanzt, muss er eben  wieder auf Vordermann gebracht werden. Danach ist er nicht ein herausragendes Individuum, sondern schlicht ein ordentlich eingereihtes. – Merke: Wer auf Vordermann gebracht wird, steht nie ganz vorne.

Rabenbekenntnis

Zu meinem Rabenlogo besteht wohl ein gewisser Erklärungsbedarf. Vorweg: Da wir hier nicht auf Facebook oder Instagram sind, verzichte ich auf die Veröffentlichung meines Konterfeis. Es ist ja auch so, dass ich offenbar einen physiognomischen Doppelgänger habe in der Person des Hauptes einer Gemeinschaft, die in der Abgeschiedenheit des Zürcher Berggebietes den Verkehr mit Ausserirdischen pflegt. Sein Bild war kürzlich in der Zeitung, und ein Bekannter hat mich darauf angesprochen und vermutet, ich führe ein Doppelleben. Ich möchte nun diesen Boten der Ausserirdischen samt den Ausserirdischen selbst nicht mit meinem Bild auf meinem Blog kompromittieren. Denn wegen der physiognomischen Zweideutigkeit könnte man ja versucht sein, diesen ihm in die Schuhe zu schieben.
Jetzt zum Raben selbst. Technisch gesehen ist er ein lebensgrosses Unikat in Papier-mâché (auf Deutsch Pappmaschee) aus der Werkstatt von Yvan „Lozzi“ Pestalozzi (alles über ihn unter www.lozzi.ch). Ein Werk, das von Symboltracht trieft. Der Rabe wird als kluges Tier gerühmt, und ich hoffe, dass ich ihm da einigermassen gewachsen bin. Sollte jemand versucht sein, vom rabenschwarzen Tier auf den Zustand meiner Seele zu schliessen, so kann ich das nicht verhindern. Aber eigentlich hat der Rabe – übrigens ein Geburtstagsgeschenk von meiner Frau – es mir vor allem damit angetan, dass er lustig aussieht, worin ich ihm nicht gleiche. Und last but not least: Im echten Leben fallen Raben durch ihr lautes Gekrächz auf. Ob mein Blog da mithalten kann, weiss ich nicht.